Die Lampe

An meinem Haus , direkt neben dem Eingang, hängt eine Lampe. Sie hängt schon lange dort. Vielleicht fünfzehn oder zwanzig Jahre. Sie hat einen Bewegungsmelder der sie automatisch einschaltet, wenn man mit dem Auto in die Einfahrt fährt oder man sich  zu Fuß nähert. Als die Glühbirne in der Lampe  defekt war, wechselte sie mein Vater aus. Eine normale Energiesparlampe wie sie in hundert Millionen Fassungen glüht. Aber diese hier war keine normale Glühlampe.

Was sie letztlich unterscheidet von all den Millionen Lampen dort draußen, die ebenso das Dunkel erleuchten, ist die simple Tatsache, das mein Vater sie seinerzeit gewechselt hat. Nun ist mein Vater jedoch tot. Er starb in diesem Jahr. Und desto mehr Monate vergehen, umso schmerzhafter ist die Gewissheit, das dies immer so bleiben wird. Es ist die Einsicht, dass  er nicht einfach im Urlaub ist und man sich bei Zeiten wieder sieht und sich unterhalten kann über all die Dinge, die man in der Zwischenzeit erlebt hat. Die Klarheit die deshalb so schwer erträglich ist, da sie diese unbarmherzige Endgültigkeit besitzt. Damals, immer wenn ich aus dem Urlaub mit dem Flieger zurück kam und gelandet bin, hat er mich vom Flughafen abgeholt.  Er war immer der Letzte den ich sah bevor ich ging, und der Erste den ich sah wenn ich zurück kehrte.

Das wird nie wieder so sein. Und das wird mir immer klar, wenn ich abends nach Hause komme,  mich der Bewegungsmelder erfasst und ich die Lampe sehe,  wie sie mir den Weg leuchtet. Ich schaue sie mir  an und denke, das dieses Licht bereits geschienen hat, als er noch lebte. Noch ist es dieselbe Glühlampe, die er in seinen Händen hielt, die er selbst wechselte, deren Licht auch er sah. Fast wie eine Verbindung zweier Welten, wenn es die andere denn gäbe.

Doch Zeit verrinnt, und ich fürchte, auch ihr Licht wird vergehen. Irgendwann wird sie kaputt sein, der Glühfaden reißen und die Verbindung trennen. Eines Tages wird sie ausgetauscht werden müssen. Und dann wird eine andere Lampe darin leuchten, die meinen Vater nicht kannte. Die niemals erfahren hat wer dieser großartige Mensch war und wie er gelebt hat. Sie hat keinen Bezug zu ihm.

Nicht dass Dinge einen persönlichen Bezug zu einem Menschen haben könnten – aber es ist vielmehr die Art Verbundenheit, die Gegenstände mit Menschen haben können, wenn Sie verstehen was ich meine. Und irgendwie denke ich mir dann, so wird es mit Allem sein. Alles um uns herum verändert sich, und irgendwann wird alles anders sein, verglichen  zu der Zeit, als er noch lebte.

Vielleicht heben Menschen deshalb Dinge von Verstorbenen auf, die ihnen etwas bedeutet haben. Als eine Art Verbindung zu ihnen. Und deshalb wiegt ihr Verlust so schwer. Ich hoffe, das die Glühlampe noch lange strahlt, denn wenn ich nach Hause komme und sie für mich leuchtet, ist es kurz so, als wäre er auch zu Hause. Als könnte ich ihm erzählen, was ich an diesem Tag erlebt habe.

Diese trivialen Dinge, die die Wichtigsten sind im Leben…

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[UnKNowN]

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