Morgenstund' mit Hass im Mund

Kennen Sie die Szene aus „Und täglich grüsst das Murmeltier“, in der der Protagonist Phil (gespielt von Bill ‚Fucking*‘ Murray) seinem ehemaligen Schulkollegen, der ihn morgend auf äußerst nervige Art anquatscht, eine Rechte so richtig schön in die Kauleiste zwirbelt?  -> Groundhog Day – Phil!!

Ein Klassiker, nicht wahr?

Bei mir ist es morgens ähnlich, ohne dass ich jedoch erst drei mal aufwachen müsste,bevor ich in der Stimmung bin, jemandem einen Backstein ins Gesicht schlagen zu wollen . Nicht das Sie mich falsche verstehen. Es ist nicht so dass ich morgens gar keine Laune hätte, aber mich kotzt um diese Zeit einfach Alles und Jeder an- Tiere ausgenommen, die sind häufig ganz cool drauf – oder haben Sie beispielsweise schon einmal einen Fisch erlebt der einem wirklich auf den Sack gegangen ist? Nagut, es gibt Goldfische die können einen tatsächlich so lange dumm anglotzen, dass man geneigt ist zu überlegen, wie man diesem Drecksack in seinem Glaskasten das Wort Privatsphäre in die Kiemen prügeln könnte, aber das ist eine andere Geschichte. Aber wenn ich so überlege, manchmal stehe ich morgens tatsächlich vor dem Spiegel, und spüre Blicke auf mir. Ich dreh mich um und hinter der Aquariums-scheibe schwimmt dieser glubsch-äugige fette Fisch Carl, und glotzt mich provozierend an. Ich guck dann immer zurück, setzte meinen „In die Ferne“ Blick auf, starre quasi durch ihn hindurch und sage in John Wayne Manier: „Hey, glotzt Du etwa mich an Bursche? Hä? Meinst Du mich?“ Ich gucke kurz nach hinten und um mich herum: „Du musst wohl mich meinen Sportsfreund, hier ist sonst keiner Du Milchgesicht!“ Aber ach lassen wir das. Mit Fischen Streit anzufangen ist in etwa so sinnvoll wie der Versuch, der menschlichen Bevölkerung das Reisverschlussverfahren zu erklären oder zu glauben, Weltfrieden wäre etwas Erstrebenswertes (Mit Frieden gäbe es keine Kriege -> Ohne Kriege gäbe es weniger Armut -> Weniger Arbeitskräfte die für einen Hungerlohn arbeiten würden -> ergo -> T-Shirt und iPhone Preise steigen an -> Wer will das schon?). Aber ich schweife ab…

Worauf ich eigentlich hinaus wollte ist: Als Folge meines allmorgendlichen Hasses hasse ich selbstverständlich alle Menschen, die morgens gut drauf sind und solche Dinge tun, wie beispielsweise früh aufstehen (alles was vor 12 Uhr Mittags geschieht ist zutiefst Verabscheuungs.- und Genozid-würdig),  Zeitung lesen, Joggen gehen, mich ansehen oder – noch schlimmer – mir „Einen wunderschönen Guten Morgen“ wünschen. „Fick Dich selbst und Deine fette Schwester, Du dreckiger Hurensohn!“, sag ich dann immer.OK, natürlich nicht. Das denke ich mir natürlich nur immer, während ich äußerlich meinem Gegenüber meinen charmantesten Lächler ins Gesicht werfe und respektvoll nicke.

Wann immer morgens solche Dinge geschehen –  glauben sie mir sie geschehen fast jeden Morgen – und sich Menschen um mich herum  in einem Umkreis von, sagen wir mal, aktuell ca. 500 Meter Luftlinie befinden (ich habe das Gefühl,  der Radius wächst, je älter ich werde) packt mich das Verlangen, diejenigen, die keinen Respekt vor dem allmorgendlichen Anstands-Abstand  haben, am Hinterkopf zu packen, und diesen einige Male mit Schmackes gegen einen fahrenden Zug zu donnern. Natürlich nachdem ich ihnen beide Augen herausgerissen und diese in ihren finsteren Anus geschoben habe. Sollen sie mir dort ruhig nochmal erzählen dass die Sonne scheint diese Pisser. Leider sind fahrende Züge meist nicht zur Hand wenn man sie braucht und falls sie denn  überhaupt kommen, kommen sie zu spät. Aber ich erzähle Ihnen mal bei anderer Gelegenheit, warum auch die Deutsche Bahn, der Nah-Verkehrsverbund, der Verbund der Taxifahrer und sämtliche anderen öffentlichen und nicht-öffentlichen Verkehrsbetreiber nicht minder hassenswert sind.

Aber es hört sich schlimmer an als es ist. Mir gehts ja nur morgens, also bis 12 Uhr ungefähr so. Danach, und nach 6 Tassen Kaffee, geht’s mir meistens ziemlich gut, bevor um kurz nach 12 meine Laune wieder rapide abfällt. Ich kann dem ganzen Hass aber tatsächlich auch etwas Gutes und Produktives abgewinnen. Ja, wirklich. Ich habe neulich wieder festgestellt, als mich ein Kollege bereits wieder viel zu früh auf dem Parkplatz angesprochen hat, dass wenn man seinem Hass in einem langen Monolog freien Lauf lässt, man sich richtig gut und frei fühlt.

Probieren Sie es einmal aus. Suchen Sie sich ein Thema über das sie sich stundenlang aufregen könnten und fangen sie an zu reden. Es ist natürlich förderlich, wenn sie glauben dass jemand zuhört. Und wenn dann Ihre Ader auf der Stirn anschwillt und Ihnen unkontrolliert Spucke entweicht, dann haben sie den richtigen Hassamplitudenlevel (HAL) erreicht. Nachfolgend zwecks Vollständigkeit die HAL Auflistung nach ISO I1982:1909

HAL 2 -> Nicht für Minderjährige geeignet

HAL5 -> Erleichternder Gemütszustand, Umstehende reissen ihre Augen auf und  schauen entsetzt

HAL7  -> Umstehende rufen die Ordnungsbehörde

HAL8 -> Kuklucks Clan Anwärter Niveau

HAL9 -> HITLER

HAL10 -> to be defined

Probieren Sie es doch einmal selbst aus. Gerne können sie mir an dieser Stelle von ihren Erfahrungen berichten.

Ich für meinen Teil lege mich noch ein paar Stündchen hin. Es ist gerade erst 11 und mein Nachbar hört wieder laut Musik um diese nöchtliche Ruhestunde…Pisser…

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