Zwei Männer – Zwei Motorräder – Ein Roadtrip – Kapitel 2 – "Hundescheisse"

Vorheriges Kapitel – Kapitel 1 – „Der alte Kauz“

Kapitel 2 – „Hundescheisse“
(Heidelberg und Neckar, Schloss)

Satteltaschen an einem Motorrad sind schon etwas Feines. Einfach den ganzen Kram links und rechts reingestopft und gut ist. Man muss keinen ollen Rucksack tragen, und dadurch kommt das protzige „Indian“ Logo auf der derben schwarzen Biker-Lederjacke die ich trug besser zur Geltung. Die Anderen  Verkehrsteilnehmer sollen immerhin sehen dass ich ein harter Biker bin. Ganz so hart natürlich auch nicht, denn man fragt sich immer, sobald man sich mal ein paar Meter vom Bike entfernt hat, ob nicht irgendwelche Penisköpfe einem den Kram klauen oder pubertierende Schuljungen einen Haufen Hundescheiße darin verstecken. Glauben Sie mir, das ist alles andere als entspannend wenn man sein Bier trinkt, und in Gedanken immer bei seinen Taschen ist.

Unser erster Stopp führte uns nach Heidelberg. Hier wollten wir eine kleine Rundfahrt an der Neckar entlang der Burgen-Strasse mit einbauen, bevor es schließlich Richtung Süden gehen würde. Als Grundlage vor jeder Fahrt darf natürlich eine Stärkung nicht fehlen. Immerhin hatte wir den ganzen Morgen gepackt und geflucht wie Elektriker, die am Vortrag alle Unterputzdosen in die Wand gefräst haben, nur um am Tag darauf feststellen zu müssen, dass die nur türkisch sprechenden Innenausbauer munter alles zugeputzt haben, ohne auch nur eine kleinen Hinweis darauf zu hinterlassen, wo sich die Dosen befunden hatten. Wir hatten daher versucht, mit dem begrenzten Stauraum, den unsere Motorräder uns boten, klar zu kommen und alles Nötige unter zu kriegen. Aber just immer dann,  wenn man glaubt man habe nun alles beisammen, taucht noch ein kleines Utensil, von der gefühlten Grösse eines kleinen Kühlschranks auf, das auch irgendwie noch verstaut werden will. Wir hatten uns daher unsere Auszeit redlich verdient.

Wir fuhren hoch zum Heidelberger Schloss, und stoben direkt durch eine Horde von Kindern. Es mochten rund 4, vielleicht auch 5 Schulklassen gewesen sein, die hier ihr Unwesen trieben. Und das führte uns natürlich wieder zurück zur Hundescheiße. Dadurch ging es mir natürlich nicht besser. Eine potentiell große Menge an Kindern, die auf dumme Gedanken kommen konnten. Wir ließen es dennoch darauf ankommen, parkten unsere Maschinen und kehrten ein in ein, auf einer Steinterrasse gelegenen, Restaurant, nachdem wir kurzzeitig den Ausblick von den Schloßmauern hinunter ins Tal genossen, in dem sich die Neckar entlang einer mit Villen bebauten Strasse entlang schlängelte…ein schöner Anblick.

Nachdem jeder von uns seine 2 Bier getrunken und wir fertig gegessen hatten (das Essen war Scheiße und nicht der Rede wert), waren wir Willens und frohen Mutes, endlich weiter zu fahren. Zurück bei den Maschinen stellte sich Entspannung ein. Unsere Taschen waren noch dort, wo wir sie gelassen hatten. Der Inhalt schien noch vorhanden, und vor allem: Keine Hundescheiße!

Nächstes Kapitel – Kapitel 3 – „Freudenstadt und Schweinshaxen“

img_6550