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Kapitel 3 – „Freudenstadt und Schweinshaxen“
Es gibt da immer diesen einen Moment, wenn mein Unverständnis vor Veganern und allen anderen Menschen, die kein Schweinefleisch essen, am Grössten ist. Nämlich dann, wenn ich eine Schweinshaxe mit Sauerkraut und Knödeln vor mir liegen habe: Wenn ich mir ein Stück von diesem saftigen, wohlschmeckenden Fleisch abschneide, in eine köstlich dickflüssige Biersauce tauche und genüsslich hinunter schlucke. Eine gebackene Hachse von einem glücklichen Schwein, mit einem krossen Fettmantel ist einfach herrlich. In Kombination mit einem frisch gebrauten Bier ist es einfach kaum zu schlagen. Und ich bin mir sicher, wer das nicht zu schätzen weiss, der guckt auch Big Brother, hört Britney Spears und faltet Origami-Geschlechtsteile aus rosa Krepppapier, einfach nur so zum Spaß. Naja, wenn die Revolution kommt, Sie wissen schon …
Ich will nicht sagen, dass Schweinefleisch und Bier die alleinigen Gründe waren, Freudenstadt als unser erstes Ziel zu erküren, aber sie waren zumindest Entscheidende. Die dort ansässige Brauerei „Turmbräu“ hat sich auf gut-bürgerliches Essen spezialisiert. Doch bevor wir dort unseren ersten Touren-tag mit genügend Alkohol, so wie es geschrieben steht, abschliessen sollten, erkundeten wir zuvor ein wenig Freudenstadt selbst. Und wir taten alles, was Menschen in Freudenstadt so tun. Wir kauften Gin aus dem Schwarzwald (Monkey 47 Sloe Gin -> sehr zu empfehlen), aßen Schwarzwälder Kirschtorte (was auch sonst), tranken ein Glas frischen Federweißer, kauften uns Zigarren und rauchten diese bei Sonnenschein auf dem Marktplatz.
Ein kleiner Junge, in etwa 6 Jahre alt, sah eine Taube nicht weit von uns vorüber laufen. Er rannte auf sie zu. Die Taube sah ihn, hielt es jedoch noch nicht für notwendig, weg zu fliegen. Lässig hüpfte sie nur etwas zur Seite, gerade genug, dass der Kleine sie nicht packen konnte. Er griff ins leere, orientierte sich neu und griff wieder nach ihr. Die Taube verdrehte etwas genervt die Augen, so wie Frauen das manchmal tun wenn man seine Socken liegen gelassen hat, die man sowieso gleich wegräumen wollte, und machte wieder drei, vier kleine Hopser zur Seite. Der Junge lies sich nicht entmutigen. Er rannte wieder auf die Taube zu. Diesmal dachte sie sich wohl, der Klügere gibt nach. Sie flog einige Meter weiter weg und landete neben dem ebenerdigen Springbrunnen und pickte etwas Wasser. Freudenstadt wäre ein schöner Ort, ohne die kleinen, schreienden Knirpse deren Mütter sich einen Scheißdreck für die Privatsphäre und Ruhe der Tauben interessierte, dachte die Taube. Es war immerhin Mittag, und auch sie bestand auf Ihre Mittagspause, zum Teufel noch eins. Doch der Junge war schon wieder im Anmarsch. Doch diesmal wartete sie auf ihn. Zeit, dass sich ihr jahrelanges Training bewährt machte. Ihre Augen leuchteten vor Erwartung. Ein diabolisches Grinsen untermalte ihren Schnabel. Sie wartete auf ihn selen ruhig. Mochte er sehen was er davon hatte dieser kleine respektlose Wicht. Er kam näher. Er ahnte nichts. Diesmal würde er sich umgucken, dieser kleine Drecksack. Sie würde es langsam tun…und es geniessen. Pech für die Mutter. Die Taube hatte nämlich diesen berüchtigten, richtig grauenvoll effektiven… ~ O ~POFF ~ O ~ … an der Stelle, wo just die Taube stand, lag ein kleines abgerissenes Beinchen, Federn flogen durch die Luft. Der Rest der Taube flog im hohen Bogen über den Marktplatz. Nicht schlecht für so einen kleinen Racker, dachte ich, und nickte anerkennend.
„Hey, Hey“. Etwas rüttelte mich am Arm. Ich kam zu mir und blickte nach links. „Du kannst doch nicht einschlafen am helllichten Tag! Komm schon, wird Zeit für die Brauerei – Ich hab Durst!“, meinte Peter. Ich kam von meinem kleinen Nickerchen zu mir, war ein wenig überrascht. Die Taube wurde noch immer von diesem Jungen über den Platz gescheucht. Ich grinste und wir gingen weiter um unseren Durst zu stillen.
Den Abend verbrachten wir, nachdem wir zwei ordentliche Schweinshaxen und Bier im Turmbräu vertilgt hatten, in Robbies Bar, einer kleinen feinen Irish Bar nicht weit vom Marktplatz entfernt. Ein guter Ort, um bei einem „Bulmers Pear Cider“, Nutten und etwas Koks den Abend ausklingen zu lassen. Von Bikern wird das natürlich erwartet, was soll ich groß sagen?

Trivia
Der Konstruktionsart des berühmten Festungs-Bauer Albrecht Dürer ist es zu verdanken, dass Heinrich Schickhardt, der Architekt der Stadt, ein quadratisches Grundriss Konzept der Stadt anlehnte, das es vor sah, mehrere Zeilen Häuser derart zu errichten, zu deren Mitte hin zu Beginn ein großer Marktplatz entstehen sollte, auf dem später ein Schloss errichtet würde. Das so genannte 3 Zeilen Prinzip ermöglichte eine bei Bedarf kontinuierliche Expansion der Stadt. Das Schloss selbst wurde später jedoch nie gebaut, da die Notwendigkeit nach dem 30 Jährigen Krieg, die Stadt zu befestigen, nicht mehr gegeben war. Daher besitzt Freudenstadt heute mitunter noch immer den grössten Marktplatz Deutschland’s. Dieser ist gesäumt mit wundervollen Giebelhäusern und wird von malerischen Arkadengängen umringt. Die Häuser bergen moderne Geschäfte, die elegant in die anmutige Silhouette der alten Gebäude eingelassen sind. Es gibt Markttage, an denen dort alte, aus Holz gefertigte Badekübel mit heißem Wasser gefüllt werden, in denen man vor den Augen der Stadt in aller Öffentlichkeit baden und sich von Frauen mit langstieligen Bürsten abschrubben lassen kann. Nackt, versteht sich. Aber glauben Sie mir, man muss sich nicht alles in Freudenstadt wirklich ansehen.
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