Zwei Männer – Zwei Motorräder – Ein Roadtrip – Kapitel 5 – Die Schraube – Yippi Kay Yay Motherfucker

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Kapitel 5 – „Die Schraube – Yippi Kay Yay Motherfucker“

„…ja schau mal und in dieser Tasche hier hab ich mein Bordwerkzeug, Inbusschlüssel, Zange usw. Nur für den Fall!“ sagte ich stolz und klopfte auf die Seitentasche, in die ich meine Werkzeug-Rolle hinein gepackt hatte. „Eine gute Vorbereitung ist alles sag ich immer! – Und man kann ja nie wissen wozu es einmal gut sein wird!“
„Ach was wofür packst Du den Krempel ein?“, entgegnete Peter ungläubig. „Wir haben von dem ganzen Mechaniker Scheiß eh keine Ahnung. Wenn wir mitten im Nirgendwo liegen bleiben, bringen uns ein Schraubenzieher und Drehmomentschlüssel rein garnichts. Wir sind dafür nicht ausgebildet. Das ist als würdest DU einem Nordkoreaner eine defekte Tomahawk Rakete geben und ihn bitten, diese zum fliegen zu bringen. Sie der Tatsache in die Augen: Wenn wir in der Wildnis mit den Mopeds liegen bleiben sollten, dann sterben wir, so einfach ist das. Wenn wir mit dem Zeug rumhantieren machen wir es wahrscheinlich nur noch schlimmer, töten uns oder andere damit oder lösen gleich das Artensterben aller deutschen Rehe, das Verschwinden aller Veganer, Juristen und Steuerberater inklusive der Vorwerk Vertreter aus, …weiß der Himmel was noch!“

Natürlich hatte er Recht. Wir hatte keine Ahnung davon wie man ein Mopped reparieren konnte wenn es defekt war oder wozu man generell einen Drehmomentschlüssel gebrauchen konnte, außer dazu, diesen einem Einbrecher über den Schädel zu ziehen. Aber ich packte die Tasche heimlich doch ein. Mein Trainer sagt immer: „Besser etwas zu haben das man nicht braucht, als etwas zu brauchen und es nicht zu haben“. Und es sollte sich noch herausstellen, das dies eine überaus weise Einstellung sein sollte.

Kurz nachdem wir Tittisee und unsere neuen Fans hinter uns gelassen hatten, vernahm ich ein seltsames Geräusch. In etwa so, als hätte man ein Militär-Eichhörnchen überfahren, das einen kleinen, grünen, metallischen Kampfhelm (mit Flecktarnmuster im europäischen Pixeltarnmuster) trägt, welches nun im Hinterrad festhängt und bei jeder Umdrehung mit seinem Helmchen gegen die Speichen schlägt.

Also von meinem Bike kam es nicht. Ich konnte mich nicht erinnern, irgendetwas überfahren zu haben. Peter fuhr vor mir, und andauernd hörte ich dieses „Klack, Klack, Klack, Klack“. Kurze Zeit später stockte dann sein Hinterrad und blockierte fast völlig.

Wir fuhren rechts ran und liefen ein paar Minuten mit gerunzelter Stirn hinter dem Motorrad hin und her. Jeder von uns tat so, als würde er fachmännisch eine Liste abarbeiten und diverse DInge angucken um sie als Fehlerquelle aus zu schliessen. Letztlich konnte wir jedoch nichts sehen, aber das Hinterrad schien wohl aus irgendeinem Grund blockiert zu sein. Peter versuchte mit einem Schraubenzieher, zum Glück, oder Unglück, wie man es nimmt, hatte ich einen dabei, die Bremsklötze weg zu drücken und spießte sich fast ein Auge aus. Es ging nochmal gut, allerdings blieb die Backe an ihrem Platz. Immer wenn Passanten vorbei kamen, taten wir so als hätten wir keine Panne sondern machten nur eine Zigarettenpause.
„Ich glaub wir fahren einfach weiter“, schlug ich vor, „und schauen was passiert – was auch immer da blockiert schleift sich schon ab.“

Wir fuhren nicht weiter. Vielmehr entschieden wir uns für den Telefonjoker, und riefen den BMW Motorradservice an. Die Profis wussten sicher, was zu tun sei!

„Soso, das Hinterrad also, was?“, wiederholte der Mechaniker die Worte meines verzweifelten Begleiters. „Ja da schleift irgendwas…“, sagte er niedergeschlagen.

„Soso, ein Schleifen also!“ wiederholte der Mechaniker fragend. „…und blockiert das Rad. Man kann es nur mit Gewalt drehen.“
„Ja man das habe ich doch gerade gesagt, das Teil blockiert komplett, auch wenn man es mit der Hand versucht zu drehen“ wiederholte Peter nochmals.

„Soso, also es blockiert ja? Hm. Aber mit der Hand können Sie es drehen?“ fragte der Mechaniker nochmals nach.
„Nein da dreht sich garnichts, das Rad ist komplett blockiert!“

„Das Rad sagen sie? Können Sie es mit der Hand drehen und mir sagen was passiert?“
„Sagen Sie wollen Sie mich verarschen?“ war das letzte was Peter sagte als er auflegte und kurz darüber nachdachte, das Handy in die Ausläufer des vorbeifliessenden Tittisees zu schleudern. Irgendwo zwischen „Dieser unfähige Pisser“ und „Wo zum Teufel hat der Kerl gelernt wie man einen Telefonhörer abnimmt wenn er selbst zum Atmen zu blöd ist“ entschied er sich, es einfach wieder ein zu stecken.

Heute abend hatten wir ein Hotel mit einem Whirlpool* gebucht. Darauf freute ich mich schon seitd der Abfahrt von zu Hause. Es geht nichts über WhirlPools finde ich. Und wissen Sie was? Ich sah mich schon alleine darin sitzen. Mit einem Hendriks Gin Tonic in der Hand und Blubberbläschen unte mir, währen Peter im LKW eines Gelben Engels nach Hause fuhr und Bilder von mir ansah, die ich ihm schicken würde. Ach, ich liebe Wellness!

Aber soweit musste es glücklicherweise nicht kommen. Einmal im Leben kommt irgendwann einmal der Moment, indem man jemandem tief in die Augen blickt, mit dem Zeigefinger wedelt und sagt: „Ich habs Dir doch gesagt!“ Und wie sich herausstellte, war heute dieser Moment gekommen. Wir reparierten das Problem indem wir mit meinem Werkzeug den Bremssattel abbauten, die lose Schraube entfernten und alles wieder in umgekehrter Reihenfolge zusammen setzten. Pah. Wer braucht schon eine BMW Motorradwerkstatt!

Und so ging alles nochmal gut aus. Wir konnten stolz sein, mit unserem Werkzeug erfolgreich ein Motorrad wieder in Gang gebracht zu haben,  kein einziges Reh  sumgebracht zu haben, wir hatten beide noch alle Körperteile und unser Augenlicht und konnten uns wieder den Fahrtwind um die Nase wehen lassen. Der Whirlpool konnte also kommen!

Danke an den 10er Imbus…Du bist der Beste!

*Whirlpool: Jeder Jacuzzi ist ein Whirlpool, aber nicht jeder Whirlpool ist auch ein Jacuzzi“