Was Frauen und Matchbox Autos gemeinsam haben

Gehen wir Autos spielen?

Ich erinnere mich noch an die Zeit damals als wäre es das sprichwörtliche Gestern gewesen. Ich rannte voller Vorfreude die Treppe unseres Wohnblocks herunter und war  in freudiger Erwartung eines Spielkameraden, mit dem ich verabredet gewesen bin. Es war keine Verabredung im heutigen Sinne die über WhatsApp oder Email oder Handy statt gefunden hätte. Es war vielmehr eine innere, einvernehmliche Vereinbarung zwischen uns beiden gewesen, weil wir uns einfach immer um diese Uhrzeit getroffen hatten. Außerdem hatte man es als Kind im Gefühl, wenn draußen “was los” war. Und was anderes konnten wir damals ohnehin nicht machen, schließlich waren wir erst 9 Jahre alt und da war “draußen” zu sein einfach das Grösste.

Wenn ich so darüber nachdenke, verliert man als Erwachsener  irgendwann diesen Instinkt dass da Freunde warten, die mit einem spielen wollen. Man muss auf Technik zugreifen und sich aktiv verabreden. Und dann muss man in der geschäftigen Erwachsenenwelt erst einmal einen gemeinsamen Termin finden. Nicht auszudenken was das für ein Gefühl wäre, wenn man auf der Swinger Party aufkreuzt und keiner der Freunde ist da…

Aber bevor ich abschweife lassen Sie mich doch lieber wieder auf Damals zurück kommen. Damals, das waren die 90er Jahre. Wir Kinder waren noch jung, unverdorben und hatten die Besten Vorsätze für die Zukunft. Das “Geilste” waren für uns keine verschwitzten Frauen die Beachvolleyball spielten oder halbnackte Frauen in Mangas (siehe nachfolgende Bilder – Rein für dokumentarische Zwecke versteht sich) (oder doch?), sondern Matchbox Autos.

[Bitte nicht verwechseln – Oben Gut | Unten Böse]

  

 

 

 

 

 

Wir trafen uns damals immer  hinter unserem Mehrfamilienhaus (10 Familien, teilweise mit Kindern) auf der Wiese, oder gegenüber auf dem Schulgelände des Gymnasiums. Dessen Infrastruktur gab immer einen idealen “Abenteuerspielplatz” ab, sehr zum Missfallen des stets mies gelaunten Hausmeisters, der dort wie Smaug in seinem Hort hauste und offenkundlich Kinder hasste wie wir damals Brokkoli.

Jeder brachte eine Kiste voller Autos mit und dann wurde gespielt. Wir fuhren mit ihnen um die Wette, ahmten  Motorgeräusche mit dem Mund nach und simulierten Reifenquietschen,  wobei nicht selten eine Ladung Spucke unseren Mund verlies. Das gehörte einfach dazu. Daher war die oberste Regel, dass man sich beim Matchbox spielen niemals gegenüber sass. Niemals! Unter keinen Umständen! Immer nebeneinander! Mit Matchbox Autos zu spielen war quasi die “Jungen Version” des Spielens. Wir lernten, wie man ordentlich im Stau stand, kundigerweise um Kurven driftete und bildeten unser Gehör, um später einen männlichen 12 Zylinder Sound adequat würdigen zu können und huldigten unserem Verkehrsteppich wie ein salafistischer Terrorist seinen Gebetsteppich.

[Bitte nicht verwechseln – Links Gut | Rechts Böse]

Das feminine Äquivalent dazu war das “Puppe spielen” bei Mädchen. Diese lernten hier ebenfalls die lebensnotwendigen Dinge, die sie später im Leben benötigen würden. Die Barbie kochte, schminkte sich, zog sich schöne Kleider an, legte sich ins Bett wenn Ken nach Hause kam und brabbelte davon, dass sie Migräne habe. Bis zu dem Tag an dem sie Cabrio fahren wollte. Da hatte sie plötzlich keine Migräne mehr. Da musste die Barbie aufs Beziehungskonto einzahlen –  wenn Sie wissen was ich meine. Denn wie sagt man so schön: “Willst Du liebe Frau denn Cabrio fahren, so  musst Du freundlich sein zu Deinem Mann”. Noch heute frage ich mich jedes Mal, wenn ich sehe wie eine Frau in einem Mercedes AMG Cabrio  versucht in eine viel zu kleine Parklücke vorwärts einzuparken (und jede noch so grosse Parklücke ist zu eng): Wie viele Pimmel muss man wohl für so einen Schlitten in den Mund nehmen?

[Bitte nicht verwechseln – Links Gut | Rechts Böse]

Runtergerocktes Altmetall

Selbstverständlich wurde auch das Spielen mit den immer gleichen Autos irgendwann langweilig. Wenn man sich an der Farbe satt gesehen hatte, wollte man das Auto  nur noch seiner kleinen Schwester an den Kopf werfen und sich über die Reaktion freuen, die unweigerlich eintreten würde. An diesem Punkt musste etwas Neues her. Und wenn man dann seinen Eltern lange genug im Kaufhaus auf die Nerven gegangen war und endlich mit einem neuen Matchbox Auto aufkreuzte, war man natürlich kurzzeitig der King in der Strasse. Es sprach sich meist schnell herum und alle Nachbarskinder kamen herbei geeilt um es zu bestaunen und um es selbst mal anfassen zu dürfen. Wie als Erwachsener mit neuer Freundin. Ich habe das Gefühl, dass sich alles irgendwie wiederholt, wenn wir erwachsen werden.

Im Grunde wäre die Anekdote an dieser Stelle beendet, denn mit über 30 spielt man nur noch selten mit Matchbox Autos. Hin und wieder jedoch schwelgt man in nostalgischer Erinnerung und denkt sich: Früher war alles so einfach und unbeschwert. Man war mit Kleinigkeiten wie einem Blechauto zufrieden. Warum und wie hat sich alles geändert. Und unweigerlich drängen sich dann Analogien zum Erwachsensein auf.

Wenn wir älter werden, tauschen wir Matchboxautos durch kostspieligere Spielzeuge. Frauen, zum Beispiel. Die einen früher, die anderen später. Dann werden plötzliche jene Mädchen, die früher lieber mit Puppen gespielt haben interessanter.  Das hat Vor.- aber auch Nachteile.  Ein Vorteil sehen sie anhand des letzten Bildes – versuchen Sie dies mal mit einem Matchbox Auto.

Ein weiterer Vorteil ist, sie müssen seltener in die Waschanlage, kosten allerdings gleich ein vielfaches in der Anschaffung, sprengen jedes Konto im Unterhalt und benötigen viel Liebe und Zuwendung um anzuspringen oder damit man die Motorhaube endlich öffnen darf. Sie sind quasi wie ein Oldtimer. Entgegen unserer miniaturisierten Spielzeuge sind sie wesentlich komplizierter in der Handhabung und wesentlich unflexibler – nicht zu verwechseln mit Stretchfähigkeit einer Turnerin, wenn Sie wissen was ich meine.

Ein weiterer Nachteil ist, dass man Frauen nicht einfach wieder zurück in die Kiste packen kann, wenn man mit Ihnen gespielt hat.  Und wenn sie Schrammen haben, wird man sie nicht mehr so einfach wieder los auf dem Gebrauchtmarkt.  Ungeliebte Autos hingegen konnte man einem Freund schenken, der sich sogar noch dafür bedankte. Machen Sie das mal mit Ihrer Frau!

Waren die Räder damals ausgeleiert und das Fahrgestell komplett krumm und schief, “vergaß” man das Auto einfach im Garten und irgendwann verschwand es dann auf geheimnisvolle Weise. Meist versackte es einfach im Boden und tauchte erst wieder auf, wenn der Nachbar Rasen mähte und das Auto mit den rotierenden Messern in ein Geschoss verwandelte.  Oder es “fiel” auf der Fahrt in den Urlaub mit den Eltern einfach aus dem Auto.  Wer will denn bitte schon mit einer komplett heruntergerockten Kiste bei den Freunden aufkreuzen? Aber versuchen Sie das mal Ihrer Freundin klar zu machen!

Da fällt mir gerade ein. Erinnern Sie sich noch an die damalige Revolution in der Matchbox Ära? Als die Autos auf den Markt kamen die ihre Farbe wechselten, wenn man sie anspritzte? Ich dachte mir: Wäre das nicht unglaublich praktisch auch bei….ich mein ja nur?!

In diesem nostalgischen Sinne: Ruft doch mal Euren alten Spielfreund aus Kindertagen an, packt diesen an den alten Klöten und rutscht mit ihm auf einem Verkehrsteppich den Hang herunter. Bringt Eure Matchbox Autos und Eure Frauen mit und habt ein bisschen Spaß miteinander…immer getreu dem Swinger Motto “Alles Kann – Nix Muss”. Vielleicht sind ja heutzutage Matchbox Autos noch für andere Dinge gut.

Bis dahin – Man liest sich…

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