2016-2018 – Eine Retrospektive

“Er glänzt vor uns, wie ein Komet entschwindend, unendlich Licht mit seinem Licht verbindend. [Johan Wolfgang von Goethe]”

Wieder ein Jahr vorbei..

Da ist es wieder: Weihnachten! So gänzlich unerwartet ist das Fest der Liebe wieder da. Der Plätzchen. Der bunt beleuchteten Fenster. Das Fest, an dem Menschen ihre Nächstenliebe wieder entdecken. Zumindest bis zum Start des Silvesterraketenausverkaufs bei Aldi. Dann geht das Hauen und Stechen nach den besten Knallerangeboten wieder los.  Doch der Grinch hat uns gelehrt, dass nicht nur Liebe das dominierende Gefühl der Weihnachtszeit ist. Auch Wut,  Trauer, und Traurigkeit und die Bestürzung darüber, das wieder einmal ein Jahr eine weitere Düne des Lebens hoch und wieder herunter gekrochen ist, gehören dazu.

Der letzte Jahresrückblick liegt schon ne Weile zurück. Danach kam  lange nix mehr.  Daher hole ich das an dieser Stelle nach. An dieser Stelle möchte ich daher die Gelegenheit nutzten und in die vergangene Jahre blicken. Krasser, innovativer Scheiß, oder?

2016

“Wir ehren die Toten, indem wir weiter leben. Wir leben weiter, weil sie es nicht mehr können” [Unbekannt]

Lakonisch ausgedrückt war 2016 ein überaus unbefriedigendes Jahr. Zugegebenermaßen durch Faktoren geprägt, die ich nicht beeinflussen konnte.

Wie dem Tod, zum Beispiel.  Leider hat der reale Tod wenig mit dem “Gevatter Tod” aus Terry Pratches Discworld Romanen gemein. Letzter hat durchaus ein Herz für Abenteurer und Zauberer, spielt gerne mit Katzen und so manches Mal kann man ihn ablenken und seinem Schicksal entkommen. Das dies weltliche Pendant lässt hingegen genausowenig mit sich handeln, wie das Finanzamt.

Als mein Vater in diesem Jahr starb, dachte ich, dies sei der grösste Schmerz, den ein Mensch fühlen könne.  Ein Schmerz, der aus der Machtlosigkeit heraus entsteht. Gegen den man nichts tun kann. Man kann die Wut über den Tod eines Menschen weder umleiten, ja, noch nicht einmal jemand Anderem anhängen. Nicht mal den Ärzten, den Zigarettenherstellern oder dem kleinen Scheißer auf der Kinderschokoladen Packung.

Genau sowenig lässt sich Trauer auf Menschen aufteilen, wie so Mancher behauptet.  Nach dem Motto “Wir Anderen fühlen das Gleiche und Geteiltes Leid sei halbes Leid.” Nein. Geteiltes Leid ist höchstens das Ibuprofen der Seele. Wir unterdrücken damit unseren Schmerz, aber er ist nach wie vor da.

Dieser Schmerz – er kommt dann, wenn der Alltag endet, der Stress abflaut und der Abend naht. Er sitzt dort in der Ecke mit seinen stets wachen, rot glühenden Augen in absoluter Stille und wartet im Schutze der Dunkelheit auf uns. Glauben Sie meinetwegen an die Zahnfee oder den Weihnachtsmann, aber  seien Sie sich gewiss: Dieses Monster aus dem Schatten,  das den Geschichten und Mythen Lovecraft’s entsprungen sein könnte, ist nur allzu real. Es frisst unsere Seele. Jede Nacht ein kleines Stückchen mehr. Bis eines Tages nichts mehr von dem übrig ist, was uns einmal als Mensch ausgemacht hat. Bis wir selbst zu diesem Monster werden. Bis wir Einsamkeit und Stille dem Sonnenlicht und der Fröhlichkeit vorziehen, als wären dies Dinge, die uns verletzten könnten.  Heute, fast vier  Jahre später kann ich es noch immer sehen, wie es dort in der Ecke hockt und auf mich lauert, als warte es nur auf den richtigen Moment. Wenn ich nachlässig werde, meine Augen schließe oder daran zweifele, dass es wirklich existiert.  Doch dann kann ich es noch immer hören, wie es flüsternd meinen Namen ruft…

“Dinge brauchen ihre Zeit,  für Manches jedoch gibt es davon niemals genug [UnKNowN]”

Und weil einzelne Schicksalschläge nicht genug sind, starb in diesem Jahr auch mein Coco. Ich vermisse den Schatzl noch heute unendlich.

“Menschen werden geboren, damit sie lernen, wie man ein gutes Leben führt – voll von Liebe und Mitgefühl für die Lebewesen um sich herum.
Hunde wissen schon, wie man das macht – daher müssen sie nicht so lange bleiben“

2017

Ein Jahr, in dem zur Abwechslung mal niemand gestorben ist. Zumindest niemand wichtiges. Nur die üblichen Kollateralschäden im nahen Osten und südlich des Äquators. Für dieses Jahr hatte ich mir drei Vorsätze aufgeschrieben:

  1. “Wieder mehr mit Freunden in der Gruppe ausgehen” -> In dieser Hinsicht war 2017  kein sehr erfolgreiches Jahr, genauso wie die Jahre zuvor. Jeder war gefühlt mit sich selbst beschäftigt. Jeder machte sein Ding. Immer das nächste Ziel vor Augen.  Dabei sind es doch gerade diese gemeinsamen Erlebnisse, die zählen, oder nicht? Wenn ich was aus dem Jahr 2016 gelernt hatte, dann, dass jeder Moment zählt. Dieser Carpe Diem Typ wusste es schon lange vor mir. Und so trivial es klingt, er hatte Recht. Wir wissen nicht, wie lange wir auf dieser Welt sind? Also warum weit entfernten Zielen nach eifern, wo wir doch auch eingeölt aufeinander herumrutschen und uns betrinken könnten?
  2. Wieder “glücklich” werden -> Zugegebenermaßen war dieser  Terminus “glücklich werden” juristisch sehr schwammig formuliert. Was bedeutet es schon, “glücklich” zu sein? Für den einen bedeutet Glück, ein Dach über dem Kopf zu haben, gesund zu sein, im Lotto zu gewinnen, 3.5 Kilo ab zu nehmen, 3.5 Kilo zu zu nehmen oder eine fette Frau nach der Hochzeit über die Schwelle im Achten Stock heben zu können. Für mich ist und war “glücklich sein” jedoch immer eine Art innerer  Durchschnitts-Indikator der aktuellen Lebenssituation und Gefühlslage. Daran gemessen, war das Jahr genauso beschissen wie das Jahr zuvor. Check.
  3. Fremde anlächeln: Wow, wer mich kennt, weiß: Das hier  ist ein echter Knaller, oder? Hatte ich mir wirklich vorgenommen, netter zu Fremden zu sein? Was hatte ich da nur geraucht, als ich das aufgeschrieben habe? Wahrscheinlich dachte ich mir ich benötige drei Vorsätze anstatt Zwei. Weil es sich nun mal so gehört. Alle Guten Dinge sind Drei..und so. Deshalb heisst der Dreier auch Dreier, und nicht Zweier. Das “Fremde anlächeln” Ding war also ein klassische Lückenfüller. Genauso hätte ich schreiben können: Nächstes Jahr benutze ich dünneres Klopapier, wickle es um meine Zeigefinger und entwickle eine neue Wischtechnik. Ich kann jedoch Entwarnung geben: Summa Sumarum ist mein Karma 2017 nicht wirklich gestiegen..und ich habe kein dünneres Klopapier verwendet.

2018

Auch in diesem Jahr hatte ich drei  wundervolle Vorsätze:

  1. “Gelassener werden”: Wer meinen Blog liest, weiß, worüber ich mich im Alltag so ärgere. Reisverschlussverfahren, Beamte, Ärzte, Anwälte, Dumme Mitmenschen und RTL Zuschauer. Die Liste ließe sich endlos fort führen. Genaugenommen jedoch alles Trivialitäten. Ich las einmal einen Spruch, der eine gehörige Portion Wahrheit enthält (wenn auch nicht ganz so einfach zu befolgen ist):

    “Wenn Du Dir über ein Ereignis das geschehen ist,  drei Jahre später unter der Dusche keine Gedanken mehr machst , war es den Ärger damals nicht wert!”

    Ich habs wirklich versucht. Grosses Indianer Ehrenwort! Hat bei mir leider nur semi-gut funktioniert. Aber zumindest diesen Vorsatz habe ich noch immer nicht aufgegeben.

  2. “Zwei vollständige Songs auf der Gitarre spielen können (mit Band)” -> Jup, das hat funktioniert. Und mehr noch. Ich habe eine Band auf de Beine gestellt. Mit Drummer, Gitarrist und Sänger und so. Hielt nicht lange aber es waren einige erfolgsversprechende Ansätze die sehr viel Spass gemacht haben. Ohnehin scheint es, dass die Gitarre der einzige konstante Faktor in den letzten Jahren für mich war. Sie zeigt mir die Vergangenheit, bringt mich meinem Dad näher und gibt mir Hoffnung für die Zukunft.
  3. Wieder “glücklich” werden -> Scheisse, schon wieder? Jup. Wieder aufgeschrieben, wieder nix draus geworden. Auch wenn dieses Jahr ein klein wenig weniger beschissen gewesen ist als die Jahre zuvor.  Dennoch beschissen genug. Mein Blog ist in dieser Hinsicht schon immer ein guter Indikator gewesen. Wie Eisbohrkerne, mit denen Physiker das Klima vergangener Jahrtausende rekonstruieren, kann man an ihm ablesen, wie es mir persönlich ging. Ich kann nur schreiben, wenn es mir gut geht. Und wenn ich nichts schreibe, gehts mir entweder beschissen oder ich sitze im Knast.
Soweit die Jahre 2016-2018. Bleiben Sie dran und seien Sie gespannt wenn es im Jahre 2019 wieder weiter geht nach dem Motto Vorsätze sind zum Brechen da. 

In diesem Sinne

Frohe Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr Sie Mistschwein