Die Wahrheit über unser Social Media Verhalten – Teil 2

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Teil 2

Warum vergeuden wir unsere Zeit?

Sind wir doch mal ehrlich. Was ist der eigentliche Mehrwert von Facebook und Co? Letztlich verbringen wir täglich Stunden damit, die App aus reiner Langeweile oder  aus Routine heraus zu öffnen und stupide nach unten zu scrollen. Manchmal springt dabei ein nettes Meme für uns heraus über das wir kurz schmunzeln und das wir teilen, “sodass auch andere schmunzeln mögen”, aber der Gewinn ist letztlich kaum messbar. Nicht in Relation zum Zeitaufwand. Den gleichen Schmunzler erreiche ich auch, wenn ich mich abends vor den Badspiegel stelle, mit eine Kerze unter den Arsch halte und den kleinen Flammen-Strahl betrachte der scheinbar meine Rosette verlässt. Wozu dann Facebook?

Damit wir immer erreichbar sind!

Stellen Sie sich vor sie haben auf einen unvergesslichen Urlaub gespart und sind endlich mit Ihrem Traumprinzen, ihrer Traumprinzessin oder ihrem “Diversen” auf die Seychellen geflogen, oder nach Neuseeland gereist. Dann ist es doch essentiell dass Ihre Freunde und Verwandten gerade wissen, wo sie sind, oder? Am besten noch, indem sie permanent ihren Livestandort teilen und direkt in dem Moment, in dem sie die asiatische Nutte in Thailand fotografiert haben das Erlebnis teilen. Inklusive der ärztlichen Diagnose über den eingefangenen trpper und der dazu empfohlenen Salbe, um die Schamlippen weder etwas ab schellen zu lassen, Das ganze dann am besten als kurzweilige unterhaltsame Timelapse-Aufnahme (Zeitraffer). Man muss seinen Followern heute schon einiges bieten, damit sie bei der Stange bleiben oder weiterhin die eigene Stange hoch halten.

Zu Zeiten unserer Eltern war es noch so, dass man sich vor dem Urlaub in geselliger Runde traf und nochmal zusammen lachte und trank. Es konnte immerhin das letzte gemeinsame Bier sein – wer wusste schon ob der Flieger abstürzt oder ein Irrer mit Kettensäge auf dem Bahnhof herumläuft der etwas spielen möchte? Und während man dann endlich im Urlaub war, und Zuhause niemand wusste in welcher Zeitzone man sich gerade befand, was man mit wem wie wo in welcher Stellung gerade tat, freute man sich auf die Rückkehr der Liebsten und auf die tollen Dia Abende vor dem Kaminfeuer und einem Glas Wein. All dies ist heute selbstverständlich nicht mehr nötig. All die Bilder wurden vorher ja vorher bereits via Facebook geteilt. Wir nehmen uns selbst also zwei Dinge. Die Spannung auf die Urlaubsimpressionen und die Freude, jemanden wieder zu sehen. Denn schließlich ist man niemals so richtig weg, verliert niemals so richtig den Kontakt zur Aussenwelt. Alles ist so wie immer, ob man in der Karibik i einem Hotelzimmer sitzt oder zuhause vor dem Fernseher. Das Handy ist immer in der Hand.

Social Media zerstört Beziehungen

Menschen sind soziale Wesen, die von Beginn an nur in der Gruppe überleben konnten. Das war schon vor 30.000 Jahren so. Gemeinsam ist es eben leichter, Kinder auf zu ziehen: Die Mutter hält ihre (zur Freude des Mannes) geschwellten Brust dem kleinen hin während der Mann jagen geht und die Dorf- oder Höhlen-Gemeinschaft die Gruppe vor gefräßigen Wölfen, Säbelzahn-Tigern, Steuerberatern und Autoverkäufern beschützt. Wir benötigen also soziale Eigenschaften, um im Alltag und dieser Zivilisation zurecht zu kommen.  Müssen kommunizieren können und empathisch sein.

Aber das Soziale wirkt ab einer bestimmten Größe toxisch auf uns. Im kleinen Kreis der Familie, wenn es nur um 5 Personen geht, läuft alles ohne Gesetzbücher, Regelwerke oder Betriebsräte ab. Zumindest meistens.  Ab 150 Menschen benötigt man geschriebene Gesetzte und  gewisse Umgangsformen. Deshalb kam Moses damals mit den 10 Geboten vom Berg Sinai herunter. Die Menschen lasen sie mit großem Interesse und einige waren sodann völlig erstaunt, dass es nicht cool sei, den Nächsten zu töten.

“Oh Shit, darf ich wirklich nicht meinen Nachbarn töten Jim?”
“Nein Keith, natürlich nicht!”
“Aber er hats meiner Frau in der Garage besorgt!”
“Woher hast Du eine Garage? Wir schreiben das Jahr 150 vor Christus!”
“Wer zum Teufel ist Christus?”
“Wen interessiert das? Seid wann zum Teufel hast Du eine Frau?”
“Och weisst Du, die hab ich erst kürzlich  auf einem dieser Partnerbörsen-Höhlen in Kalkutta kennengelernt, als ich die Pauschalreise gebucht hatte.”

Mit den 10 Geboten feierte man  damals quasi das Revival des Anstandes und es wurde die Grundlage für ein geordnetes, kommunales Zusammenleben geschafft. Später dann, mit dem Aufkommens des Internets und den Social Networks, kamen dann die Internet Trolle in die Neuzeit und stellten sich an zu beweisen, wie Dummheit, Halbwissen und Faulheit die Menschheit 30.000 Jahre in die Vergangenheit zurück befördern konnten. Da soll mal einer sagen, Zeitreisen wäre unmöglich!

Wir haben heute nicht mehr das Wissen, wie man ein Aquädukt baut, wir wissen lediglich, wie man RTL einschaltet und wann das Dschungel Camp los geht. Freuen uns wenn die Bundesliga startet und regen uns darüber auf, dass wieder einmal ein Flüchtlingsboot den Strand erreicht hat. Wir haben Schritt für Schritt unsere Empathie für die Hungernden und für die Notleidenden abgebaut, weil wir auf der Jagd nach Pokemon sind. Kaufen uns jedes Jahr ein neues iPhone, anstatt dem Obdachlosen um die Ecke einen Zehner zu geben, damit der sich eine Kiste Jack Daniels kaufen kann. Wir denken nur an uns, selbst in der Gruppe. Denn wir sind selbstsüchtig und eifersüchtig zugleich. JEDER ist dies, ob er/sie es sich eingestehen will, oder nicht. Aber möglicherweise projiziere ich nur meine eigenen Verhaltensweisen auf die Allgemeinheit und generalisiere. Generalisieren, würde ein Freund von mir sagen, ist genau mein “Ding”!

“Wer ist denn diese Tussi die immer deine Bilder liked?” hört man häufig. Oder “Ach ja, über dieses Meme von dem Typen da lachst du, aber als ich es vor zwei Wochen gepostet hab kam keine Reaktion”. “Wieso klingelt nachts immer Dein Telefon? Warum zum Teufel sagen dir Arbeitskollegen Gute Nacht?”

Heute stalken wir unsere Partner und unsere Freunde und machen uns Gedanken. Sind eifersüchtig. Vielleicht aus gutem Grund, vielleicht aus den völlig falschen Gründen. Wir forschen und spionieren dem anderen nach in Erwartung, teilweise völlig unbewusst, dass dieser bestimmt fremd geht. Weil wir es können. Weil wir Informationen haben, die wir früher nicht hatten. Wir sehen das was wir sehen wollen, weil wir Likes , Online Status und gespostete Sprüche dazu nutzen, um unsere Vorstellung zu untermauern und den Gefühlszustand des Anderen frei zu interpretieren. Und wenn wir tatsächlich einen eindeutigen Beweis finden sagen wir: “Ha, hab ichs doch immer gewusst!”. War es früher nicht viel schöner, wenn man die Frau mit dem Nachbarn im Bett erwischt hat, mit dem man noch am Vorabend eine Gartengrillparty gefeiert hat, und dem Typ etwas mit dem Kerzenständer überbraten konnte?

Jeder muss sich fragen, ob wir nicht glücklichere Beziehungen führen könnten, ohne Facebook und Co? Eine Person sollte das sein, was sie selbst von sich in einem Gespräch am Kaminfeuer preis gibt. Nicht das, was wir aus ihren Aktivitäten heraus interpretieren.