Die Wahrheit über den Deutschen Zoll

Sie können ein Stück Scheisse nicht von einer Sachertorte unterscheiden? Was halten Sie von einer Karriere beim Zoll?

Das Zollamt

Wer nix wird, wird Wirt, sagt der Volksmund. Meiner Meinung nach sollte der Volksmund weniger mit Sperma gurgeln und auf Odol umsteigen, denn dann würde etwas ordentliches bei rauskommen und das Sprichwort hieße korrekterweise: Wer nix wird, wird Zoll-Bürokrat.

Ich meine hier jedoch explizit nicht die Typen mit den Knarren und ordentlicher Polizeiausbildung, die die ganzen Anal-Schmuggler dort draußen daran hindern, dass das böse Marihuana über die holländische Grenze nach Deutschland kommt, und auch explizit nicht  jene treuen Beamten, die verhindern, dass gestohlene Audi Airbags ihren Weg nach Polen finden (um ein paar Klischees zu bedienen) –  die  Typen sind in Ordnung!

Mein Erlebnisbericht bezieht sich vielmehr auf jene bürokratischen Vorhaut Tackerer, die sich morgens, bevor sie auf die Arbeit gehen, ein Gewicht an den Sack klemmen und treuen Steuerzahlern Päckchen vorenthalten, die weder Audi Airbags, Marihuana oder Thai Nutten enthalten. Es ist jener Menschenschlag, der sich an einem Tripper ergötzt und ein Stück Scheiße nicht von einem leckeren Stück Sachertorte unterscheiden kann.

Aber der Reihe nach. Der Zoll ist eine Einrichtung des Bundes, der vieles mit einer Arschbackenfistel gemein hat. Man hat sie nicht gern, aber man hat auch Angst dass der Arzt das Ding aufsticht, also entzieht man sich der medizinischen Behandlung , gewöhnt sich daran und kauft sich einen Sitzring. Aber manchmal, wenn der Druck zu mächtig wird, kommt man nicht umhin sich damit eingehender auseinander zu setzen (auf keinen Fall jedoch drauf setzen).

Im falschen Film

Mein Martyrium begann, als ich eine Bestellung in Trump Land tätigte. Schande über mein Haupt. Einige Tage später erhielt ich ein Schreiben der Post:

Leider konnten wir Ihre Sendung nicht zustellen…Ihr Scheiß-Paket liegt beim Zoll. Wo auch sonst?  Bitte stellen Sie sicher, ihre Kohl-Rosette innerhalb der kommenden zwei Wochen dort hin zu schleifen, andernfalls geht die Sendung zurück zum Absender. Natürlich berechnen wir Ihnen für diese unsäglichen Bemühungen und Lagerkosten einige Extragebühren. Bitte vergessen Sie nicht, sich einen Tag Urlaub zu nehmen weil die dortigen Schweinezüchter nur Vormittags Dienst tun.

Ich nehme mir also frei und fahre zum Zollamt. Der Zollbeamte winkt mich in das Zimmer.

Haben Sie etwas in den USA bestellt?“, will er von mir vorwurfsvoll wissen, ohne eine <Guten Morgen> oder eine <Schön das Sie hier sind>-Floskel.

“Ich bin zumindest nicht aufgrund der tollen Parkplätze hier”, entgegne ich verwundert. Er schaut mich nur etwas irritiert an. Gut, Ironie ist wohl nicht sein Ding. Notiert.

Ob ich denn Papiere habe, will der Typ im kurzärmeligen, offensichtlich im Aldi gekauften Sommerhemd, wissen? Ich überreiche ihm das Anschreiben der Post.

Haben Sie eine Rechnung anhand derer sich der Wert der Sendung ermitteln lässt?” fragt er weiter. Ich zücke mein Handy um die Rechnung hervor zu holen. Auf halben Weg fällt mein Blick jedoch auf ein billig ausgedrucktes PowerPoint Papier mit 3D-Text das hinter dem Sachbearbeiter an der Wand hängt:

Darauf muss der Typ schon gewartet haben, denn er  brüllt direkt los: “Hier auf dem Schild steht eindeutig: NUR PAPIER-RECHNUNGEN. Alles andere können wir nicht akzeptieren!” Er deutet auf das armselige Stück Papier dass er sicher mit viel Mühe  und unter Zuhilfenahme aller PC Kenntnisse und der jüngst erworbenen Fähigkeiten aus dem Onlinekurs <PC sicher hoch und herunter fahren für Zollbeamte> erstellt hatte.

“Ich habe aber keinen Drucker! Ich lebe schon im 21 Jahrhundert”, entgegne ich, bereits etwas verstimmt. Es wäre ihm egal.  Und es wäre auch auf dem Anschreiben vermerkt gewesen. Wenn ich ihm keine gültige Rechnung zeigen könne, müsse er mich bitten wieder zu gehen und eine eben solche zu besorgen.

“Aber ich habe eine Rechnung. Hier auf dem Handy”, gebe ich kleinlaut hervor,  in der Hoffnung, mein Gegenüber würde einsichtig werden und Mitleid entwickeln. Aber er verzieht keine Miene und glotzt mich an wie eine Milchkuh die seit längerem nicht gemolken wurde – wenn Sie wissen was ich meine-.

Dabei kamen mir spontan folgende Fragen in den Sinn.

  • Ob der Ficklappen wohl weiß, dass seine Frau 150 kg wiegt und Gewichtheberin ist ?
  • Ob er wohl Abends von ihr verprügelt wird und seine unterdrückte Männlichkeit hier in der Arbeit raus hängen lassen muss?
  • Ob sich der Deutsche Zoll als Ganzes nicht vorstellen kann, dass ich eine Rechnung fälschen könnte, wenn ich wollte?
  • Wo liegt bitteschön der Unterschied zwischen einer ausgedruckten Papier-Rechnung, die ich per Email erhalten habe und einer Rechnung in einer Email auf dem Handy?
  • Wieso sind digitale Medien nicht zugelassen?
  • Welche Creme schmiert sich der Pisser auf seine Eichel um dieses nervige Jucken los zu werden? Warum sonst greift er sicht ständig in den Schritt? Denn ich glaube es liegt nicht daran dass er sich gefreut hat mich zu sehen…
  • Hat sich der Typ vielleicht nur hier herein geschlichen, und ist in Wirklichkeit vielleicht gar kein Zollbeamter?

Fragen über Fragen. Ich schlug vor, mal in das Paket zu schauen. Da sei hoffentlich eine Rechnung drin. Er setzte seinen skeptischsten Blick auf, den er sich in seiner 23 jährigen Zoll-“Karriere” wohl hart antrainiert haben musste: “Was haben Sie überhaupt bestellt? Was ist da drin?” wollte er neugierig wissen.

Ich wollte schon sagen: “Ich möchte eine Bombe bauen, aber verlässliche Zünder sind hier schwierig zu kriegen, wissen Sie?”. Aber in weiser Voraussicht unterlies ich es.

“Genau sowenig wie ich wissen will, wie oft Sie es mit einem Strap-On besorgt bekommen geht Sie das einen feuchten Scheiß an was ich bestellt habe!”, entgegnete ich im Geiste. Doch auch dies lies ich bleiben und antwortete einfach mit einem: “Da sind Werkzeuge für den Gitarrenbau drin”.

Musikinstrumente? Sie bauen also Akustik Gitarren!“, stellte er fest. “Nein, Elektrogitarren”, korrigierte ich ihn. “Sie sagten doch gerade Akustik Gitarren!” bluffte er weiter. “Nein ich baue E-Gitarren. Aber mit dem Werkzeug lassen sich sicher auch Akustik Gitarren bauen. Oder auch Violinen. Oder Geigen”

Jetzt werden Sie nicht frech! Also was jetzt? Gitarren oder Violinen?“, wollte er wissen. Ich sah ein, dass er am äußersten Rande seines Intellektes operierte, während er mit mir sprach. Ich zückte nochmals mein Handy und zeigte ihm ein Bild von Jimmy Hendrix auf dem Woodstock Festival. Das musste selbst diesem Gehirn-Neanderthaler ein Begriff sein.

Er blickte es kurz an und schien kurz verwundert darüber, warum ich ein Bild von Jimmy Hendrix mit mir führte, ging dann aber scheinbar einsichtig zu seinem Schreibtisch und kehrte mit einem Teppichmesser zurück. Ich nahm das Angebot dankend an und überlegte schon, ob ich seine Hals-Schlagader oder seine Oberschenkelarterie durchtrennen sollte, um seinem Leiden ein für alle Male ein Ende zu bereiten, als er sagte: “Dann öffnen Sie bitte das Paket. Da ist hoffentlich eine valide Rechnung drin sonst müssen wir die Auslieferung verweigern“.

Mein Daumen hatte schon die Klinge ausgefahren als mir der Engel auf meiner Schulter zuflüsterte “Er ist es nicht wert”.
Das Teufelchen auf der anderen Seite stimmte überraschenderweise zu:” Du Typ ist mit seiner Existenz schon genug bestraft – Ich denke ihr seid quitt”.

Ich schnitt also das Paket auf, und siehe da, es befand sich tatsächlich eine ausgedruckte Rechnung darin. Allerdings in DOLLAR! Diese Amerikaner sind solche Nationalisten, stelle ich immer wieder fest…aber ich war sehr erleichtert! Er ging zu seinem Schreibtisch zurück. Studierte die Rechnung eine ganze Weile argwöhnisch und brummelte Dinge vor sich hin. Ganz so, als versuche er wirklich zu lesen. Mir war nicht klar ob er tatsächlich lesen konnte oder ob er nur so tat.

Dann tippte er etwas auf einem übergroßen Taschenrechner herum und kehrte zu mir zurück. “Nach Währungsumrechnung wären das dann 980 Euro Warenwert der versteuert werden muss.” offenbarte er mir. Ich fragte mich, wie das denn sein konnte, denn nur zwei Wochen zuvor hatte ich nur knapp  900 Euro gezahlt. Laut seiner Umrechnungstabelle, die scheinbar ebenso aus den 30ern stammte wie sein Weltbild, sollte dies aber so korrekt sein. Jetzt versuchen Sie mal einem SS Offizier, der sie nur zufällig aus der Synagoge hat heraus gehen sehen zu erklären, dass sie nur der Elektriker sind der die Lampen ausgewechselt hat, und Sie mit der Tora rein garnichts am Hut haben!  Aber manche Unternehmungen sind aussichtlichslos und man muss sich seinem Schicksal einfach ergeben.

[Die abgebildeten Personen  sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.]

Dann kramte er ein Buch hervor. Es enthielt Steuercodes. Schließlich musste er nun für die Lieferung einen offiziellen Bescheid ausstellen.

Sind  das alles Ersatzteile oder ist noch was anderes drin?” wollte er wissen. “Da sind keine Ersatzteile drin, sondern Werkzeug. Fräser, Messwerkzeug und so”, wiederholte ich mich.

Das gibts in in dem Buch nicht“, quittierte er meine ehrliche Antwort. Wollte er mir damit sagen dass ich mir das Zeug in dem Karton, wie etwa dem Stahllineal für über 130 $  zum Messen der Halskrümmung, nur einbildete? Oder der Flachfräser für Standbohrmaschinen, um unebene Flächen abzurichten, für 200$? Mein Konto behauptete eindeutig, dass es all diese Dinge tatsächlich gab.

Haben Sie auch Saiten da drin?” fragte er weiter. “Nein”, entgegnete ich, “Ich habe wie gesagt nur Fach-Werkzeug darin, das es in Deutschland nicht zu kaufen gibt. Gitarren-Saiten krieg ich hier für ein paar Cent hinterher geworfen!”.

Ja oder Nein?” fragte er ob meiner Antwort, offensichtlich verstand er keinen Sarkasmus. Ich gab auf:”Nein – keine Saiten.”

Das Ganze ging eine Weile hin und her, während ich mir vor meinem inneren Auge Situationen vorstellte wie die an einem sonnigen Tag, an dem ich in einem Muscle Shirt und mit Sonnenbrille in einem Hummer V2 an einer Ampel stehe, während der Kerl über die Strasse läuft und ich einen tragischen Bremsenausfall zu beklagen habe. “…ah hier hab ich was, Gemischtes Musikzubehör und Bauwerkzeuge” oder so ähnlich lautete die Kategorie, in der er es letztlich verbuchte. Ein Kollege stellte ihm eine Frage während er konzentriert Zahlen mit seinem Zeigefinger-Suchsystem in eine Maske eingab. “Halt, ich kann jetzt nicht, siehst Du nicht dass ich hier ein ganz großes Ding am Hals habe?!”, würgte er seinen Kollegen ab.

Nachdem ich meinen Bescheid und meine Quittung hatte, marschierte ich mit meinem teuer erkauften Paket Richtung Auto und dachte mir, wie lustig es wäre, wenn ich ein Anal Fachshop Betreiber wäre der unter Beisein diverser andere Leute im Raum zu erklären habe, was ich da im Paket drin habe und wozu der Delphin gut sei. Ich fragte mich, unter welche Kategorie das Spielzeug wohl fallen würde und fuhr nach Hause.

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