Autobahnunfälle sind moderne Kunst

Wissen Sie, werter Leser, was ich heute für mich persönlich beschlossen habe?

Zukünftig, wann auch immer ich auf der Autobahn im Stau stehe, und mich wieder hellgrün und purpur ärgere weil nichts voran geht, dann fahre ich mein Fenster runter just in dem Moment da ich an der Unfallstelle angekommen bin und klatsche laut Applaus.
Pfeife durch die Zähne und gröle meine Glückwunsch hinaus.  „Toll gemacht! Weiter so! Whoop Whoop“.

Sie finden das seltsam? Hmm. Ich glaube, in unserer heutigen Gesellschaft  sollte man öfter Respekt und Anerkennung für diejenige ausdrücken, die es verdienen. Und ganz ehrlich, jemand der derart kreativ ist und auf der Autobahn einen Unfall baut, meist sind es ja Auffahr– oder Spurwechselfehler, der hat durchaus mal ein Lob verdient.

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Sie meinen das ist makaber, gehört sich nicht, empörend oder sei gar sarkastisch? Kommen sie doch mal morgens zu mir auf die Autobahn und holen sie sich ihre Ohrfeige ab lieber Sportsfreund! Oder machen Sie das Ganze doch mal Jahrein Jahraus mit und wir unterhalten uns einfach noch einmal in ein paar Monaten miteinander sie Spinner (hier war in der ersten Version dieses Textes kein Spinner. Aber ich dachte der passt hier ganz gut hin, weil sie ein Spinner sind wenn sie das glauben).

Ok mag schon sein: Vielleicht liegen da ein paar Körperteile, ein paar übelst verbogene Typen auf der Strasse oder ein Kerl hängt in seinem eingequetschten Auto fest während sich das Feuer im Motorraum langsam aber kontinuierlich auf seine Kronjuwelen zu frisst. Klatschen wäre hier evtl etwas „too much“. Aber ein anerkennendes Nicken ist auf jeden Fall drin.
Ist ja nicht so dass dies in den meisten Fällen nicht vermeidbar gewesen wäre. Ein bisschen mehr Zeit, mehr Abstand, weniger Gedränge, weniger Überholmanöver hätten sicher einiges zur Vermeidung der verbrannten Eier oder des abgerissenen Armes beigetragen.

Nicht lustig sind natürlich schwerwiegenden Unfälle, bei denen „Höhere Gewalt“ im Spiel war. Sagen wir mal schlechtes Wetter oder eine leicht bekleidete Blondine auf dem Seitenstreifen mit Motorschaden.
Wenn in solchen Fällen das Gefährt außer Kontrolle gerät und sich überschlägt, während der Fahrer durch die Windschutzscheibe geschleudert wird und sein Gesicht über die Fahrbahn verteilt und dutzende nagelneue 85 Zoll Samsung Fernseher zerstört werden, dann ist das kein Grund für übermäßiges Jubeln. Um die Fernseher wär’s nämlich wirklich schade. 85 Zoll, Hallo?! Kreative Anerkennung steht natürlich nur den von  Aufmerksamkeits-Fehlern geprägten Unterhaltungseinlagen zu.

Es sind diese  dummen  und vermeidbare evolutionäre Selbsreinigungsmechanismen, die mich ärgern, weil diese minderbemittelten Pissbirnen zu dicht auffahren während sie ihren Facebook Status bei 320 Km/h aktualisieren müssen:
„Peter ist amüsiert und fährt gerade auf der A3“
Zwei Sekunden später kling: „Gudrun likes it“.
Und schwupps wieder ist das Handy in der Hand. Und bam! Also DAS Auto stand vorher noch nicht da auf der linken Spur heißt es dann im Unfallbericht.
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Dies ist dann für gewöhnlich der Moment da die Typen die Leitplanke mit ihren Innereien verzieren und eine lange Gaffer-schlange ansteht, um ihr altes Interesse an Humanbiologie wieder etwas aufzufrischen. Das erinnert mich dann immer an moderne abstrakte Kunst. Da ist doch ein Applaus völlig gerechtfertigt oder nicht?

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Natürlich sterben auch die Anderen. Also die in dem anderen Auto, die in diesem Moment nicht auf Facebook waren.
Status: „Karl-Uwe ist todtraurig – Wurde gerade von einem GTI zerteilt“.
Leider erfahren es die Angehörigen nicht als Notifikation auf dem Handy, sondern von der Polizei. Aber hey: Es gibt halt immer zwei Kategorien Menschen: Die die online sind, und die, die offline sind. Gewinner und Verlierer. Pech wenn man am Stauende steht.

Aus evolutionären Gründen ist das ja völlig akzeptabel. Aber ich bin hier letztlich der Haupt-Leidtragende. Denn ich stehe ja wieder im Stau obwohl zu Hause Bier, Grill und Farmville warten.
Und ich hasse es wenn ich zumindest den Grund des Staus nicht erkennen kann. Gut, wenn sich 6 LKW ineinander gewickelt haben, dann habe ich ja durchaus ein Einsehen weshalb meine Eier 3 Stunden in der Sommerhitze schmoren müssen.

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Was meine Hass-Amplitude jedoch wirklich ausschlagen lässt, ist, wenn ich dann plötzlich wieder freie Bahn habe und da war einfach Nichts?! Kein Unfall, keine zweispurige enge Fahrbahn, keine Verengung, keine Baustelle. Das regt mich wirklich auf. Kein offensichtliche Grund für diese scheiß Warterei. Denn: Wem soll ich da bitteschön applaudieren?
Ganz klar: Den Flüchtlingen? Ne die haben kein Auto. Sondern den Drecksäcken die nicht kapieren wie Beschleunigungsstreifen funktionieren. Aber dies sind nur einige der Dinge die meinen Puls hochtreiben.

Nicht nur das ständige Stop and Go und die Notwendigkeit, andere Menschen in ihren Autos ansehen zu müssen  treibt mich zur Weißglut (Bekommt heute jeder Clown einen Führerschein oder was?), sondern es ist die Gesamtheit all dieser kleinen Tritte in die Weichteile, unablässig, die die Sache eskalieren lassen und die Scheiße  in den Ventilator fliegen lässt (meine Contenance).

Und überhaupt, diese Protestkultur heute. Früher in der guten alten Zeit, durfte man noch jemanden auf seine Fehler hinweisen. Man wurde geschnitten, jemand hat seinen scheiß Blinker nicht benutzt oder eine Kippe aus dem Fenster geworfen, dann hat man dem anderen gesagt „Hör mal, das war nicht in Ordnung“.  Heute bekommt man dafür ein Fernlicht in den Rückspiegel geknallt und einen „Fick Dich du kleines Dreckschwein-Finger“ gezeigt. Was soll das?

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Am Liebsten würde ich diese uneinsichtigen Sackratten in ihren Audis, Jaguars, Mercedeses etc (BMW ist cool , ich fahre immerhin selbst einen)  von der Strasse drängen, sie aus der Karre reißen und als Vorspiel mit Fischsauce waterboarden bevor es ans Eingemachte geht. Nämlich solange eine Kombination aus Helene Fischer und Lena Songst vorspielen, bis sich der Wahnsinn in den Pupillen abzeichnet und parallel die Eichel mit einem Holzlinieal bearbeiten während 1000 kleine Feuerameisen im Arsch  des Ziels eine Springbreak Party veranstalten. Im Anschluss folgt noch eine Ohrfeige von Michael Schuhmacher persönlich.

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Und dann ist da noch meine Lieblingskategorie: Der Rastplatz-Umfahrer.  Diejenigen, die sich einen Rastplatz zu nutze machen um einen Stau umfahren indem sie abfahren, über den Rastplatz bügeln und dann am Stauende wieder auffahren und derart mal locker 100 Autos überspringen. An alle Rastplatzumfahrer dort draußen.
Ich sag Dir mal folgendes du degenerierter Scheißhaufen einer, vom IS dorfnutten-mässig rangenommenen Ziege:Wir sind DEUTSCH. Das heißt wir stellen uns gehorsam in die Schlange am Ende und halten die Fresse. Wir sind Mitläufer. Wenn jemand sagt Wo sind die Juden, dann zeigen wir mit dem Finger in die richtige Richtung. Wenn jemand sagt das war ein verdammtes Abseits im WM-Finalspiel gegen Italien, dann war es das auch. Und wenn jemand sagt wir stellen uns ans Stauende wie es sich gehört, dann tun wir das. Wir tun das was unser Vordermann tut. Wir warten gefälligst brav bis wir an der Reihe sind. Ihr glaubt wohl Ihr seid besonders schlau.  Aber auch ihr werdet eines Tages meinen Applaus zu hören bekommen…wir sehen uns an der nächsten Leitplanke!

Aber es ist ja nicht so, also hätte ich nur zu meckern. Ich hätte auch eine Endlösung für  unser Stau-Problem vor zu schlagen. Als Deutscher denke ich natürlich sofort an Selektion. Funktioniert immer, oder? Vor dem Starten des Motors zeigt eine Kamera den Autofahrer. Direkte Live-Übertragung auf MEIN Handy. Ich kann einen Evolutionskanditaten nämlich direkt erkennen und eine entsprechende Startfreigabe verweigern. Ich entscheide, wann sich die Kutsche starten lässt und wann nicht. Genial einfach, oder?

Naja, sobald das Patent durch ist habe ich ne Menge zu tun. Aber ich hör jetzt lieber auf zu schreiben, meine Abfahrt kommt gleich.

Gute Fahrt noch!

P.S.: Deine Mudder zieht LKW’s auf DSF!
 
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