[ ACHTUNG SPOILER – Wer Zurück in die Zukunft noch nicht gesehen hat, sollte nun besser nicht weiter lesen. Aber wer an dieser Stelle angelangt ist und die Filme tatsächlich noch nicht gesehen hat, sollte am Besten auch direkt von diesem Blog verschwinden…Wo habt ihr in den letzten 20 Jahren gelebt ihr psyhopathischen Spinner? ]

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Ein schwarzer Bildschirm…

Tick, Tack, Tick Tack, Tick, Tack, Tickticktick, Tack…

Selbst heute bekomme ich immer noch eine Gänsehaut, wenn jene Geräusche dutzender tickender Uhren im Labor von Doc Brown den Start eines der epischsten und grossen cineographischen Meisterwerke der Filmgeschichte einleuten und uns auf eine Reise durch die Zeit schicken – sowohl ins Jahr 1955, 1985 aber auch zurück in die eigene Kindheit.

“If my calculations are correct, when this baby hits 88 miles per hour… you’re gonna see some serious shit.”

Es ist jenes einprägsame Zitat, dass ich seit der Zeit als ich ein kleiner Junge war, bis heute, schon so häufig gehörte habe, und dessen ich bisher niemals überdrüssig geworden bin.

Zurück in die Zukunft, oder Back to the Future, kam 1985 in die Kinos. Obgleich ich damals noch zu klein war, um diese Trilogie, die mich später so sehr prägen sollte wie kaum eine vergleichbare mediale Schaffung, auf grosser Leinwand zu sehen, kann ich dies heute, mehrere Dekaden später, endlich nachholen. Wenn meine Berechnungen korrekt sind, und wir uns heute im Jahre 2015 befinden, präzise am 21 Oktober 2015, dann jährt sich nicht nur das Jahr der Uraufführung zum 30 Mal. Es ist auch jener Tag, an dem Marty McFly aus dem Jahre 1985 in der Zukunft ankommt. In unsere Gegenwart. Und der coole Held meiner Kindheit ist erneut angetreten, um das Zeitkontinuum vor temporaler Paradoxa zu retten. Und keine Lybische Terrorzelle in einem VW Caddy kann mich daran hindern, heute den Marty McFly Day zu begehen.

“Marty McFly: Hey, Doc, we better back up. We don’t have enough road to get up to 88.

Dr. Emmett Brown: Roads? Where we’re going, we don’t need roads.”

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Ich machte mich also auf zum Kino, an dem heute standesgemäß die gesamte Trilogie neu aufgeführt wird.
Ich sitze voller Erwartung im Kino, als ein Teaser die Bildfläche füllt. Nebel wabert in einer Halle vom Boden her und der Decke herab, und schemenhaft zeichnet sich die Silhouette eines der ikonischsten Autos ab, die je gebaut wurden. Der Deloren DMC. Die Kamera schwebt von der Heckansicht mit den roten langgezogenen Rückleuchten langsam zur Fahrertür des Wagens. Mit ihrem unverwächselbarem “wuuschhh” gleitet die Flügeltüre nach oben und zum Vorschein kommt das altvertraute Gesicht Doctor Emmet L. Browns, der sich mit einer persönlichen Nachricht an all Jene widmet, die heute im Jahre 2015 in die Retrospektive gleiten: Ein Rückblick in die Zeit der 80er Jahre, in der sich viele Köpfe das 21. Jahrhundert so ganz anders vorgestellt haben als es heute ist …

Aber lassen wir ihn doch selber zu Wort kommen:

“Great scott! If my calculations are correct, it is now precisely October 21, 2015. The future has finally arrived.

Yes, it is different than we all thought, but don’t worry – it just means your future hasn’t been written yet. No one’s has.

Your future is whatever you make it. So make it a good one!

[Christopher Lloyd as Doc Brown]”

Doc Browns Message

Als ich Zurück in die Zukunft das erste Mal sah, war ich vielleicht 10 oder 11 Jahre alt. Ich habe damals mitnichten alles verstanden. Zu weitläufig die vielfältigen Rückverweise auf Handlungen und Details in den Filmen untereinander. Doch je häufiger ich die Filme dann in meiner Jugend sah, desto mehr Parallelen und Zwischen-verweise entdeckte ich zwischen diesen. Und dies ist noch heute so. Alle Kleinigkeiten und liebevoll verpackten Details machen diese Geschichte um eine Freundschaft zweier Menschen zueinander und deren Leidenschaft ihrem Tun gegenüber so menschlich, so geistreich und so authentisch, dass die Filme mit einer ganz eigenen Magie erfüllt sind und diese so zum Leben erweckt.

Ist es nicht so, dass alles, was wir in unserer frühen Kindheit aufsaugen, uns später ein Leben lang prägen wird? Dies wurde mir wieder umso deutlicher klar, als die wohl vertrauten ersten Bilder auf der Leinwand anlaufen. Meine Vorstellung von Freundschaft war immer genau jene zwischen Doc und Marty. Freunde, die immer füreinander da sind und zusammen für alles einstehen. Ich wollte in der Schule immer so cool sein wie Marty. Wollte Skateboard fahren, und Gitarre spielen können als sei ich Chuck Berry. Ersteres wollte mir letztlich nie gelingen, so sehr ich es auch versuchte. Am Zweiten arbeite ich noch. Letztlich jedoch hat mich Doc Brown am meisten geprägt. Ein Wissenschaftler, der für seine Leidenschaft alles riskiert, mit Herz und Seele seinen Traum verfolgt. Wissenschaft und seine Vision vom Flux-Kompensator. Die sympathische, leicht verwirrte und energetischen Art, mit der er alles anpackt. Seine Liebe für Abenteuerbücher und Literatur, aber insbesondere für Astronomie und Physik habe ich seitdem selbst in mir entdeckt. Und heute frage ich mich, wie sehr sein Einfluss dieses ikonischen Charakters, gespielt von Christopher Lloyd, in der Retrospektive, für viele Entwicklungen in meinem Leben verantwortlich waren.

“Marty McFly: Wait a minute. Wait a minute, Doc. Ah… Are you telling me that you built a time machine… out of a DeLorean?
Dr. Emmett Brown: The way I see it, if you’re gonna build a time machine into a car, why not do it with some *style?*”

Es zeichnet einen Film aus, wenn darin seine Schauspieler mit den Charakteren derart verschmelzen, sodass sie authentisch wirken – Lebensecht. Als seien die Geschichten die sie uns erzählen, selbst 30 Jahre später, derart glaubwürdig und frisch wie einst und kämen aus dem realen Leben. Mir geht es zumindest noch heute so, dass ich mit jeder Scene aufs Neue mitfiebere, wenn der DeLoren in Teil 1 an der Startmarkierung auf der Strasse zum Rathausplatz steht und nicht mehr anspringt, als der Wecker klingelt und die Zeit abläuft. Es gibt nur diese eine Chance, Marty wieder in seine Zeit zurück zu schicken, oder er ist für immer gestrandet in der Vergangenheit. Oder wenn das Stahlkabel, das den Glockenturm mit der Querstrebe über der Strasse vor dem Rathaus verbindet, damit der Blitz in den Flux-Kompensator geleitet werden kann , reisst. Immer wieder spannend…

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Noch heute erfasst mich ein Gefühl tiefster Zufriedenheit, Mitgefühl und Freude, wenn der DeLoren letztlich vom Blitz getroffen wird und Marty zurück ins gute alte Jahr 1985 zurückschickt, während er zwei Feuerspuren auf dem Asphalt hinterlässt und “Doc” mit einem Glücksschrei und erhobener, jubelnder Faust die Strasse hinuter rennt. “Yeeesssssss”

“Younger Dr. Emmett Brown: 1.21 gigawatts! 1.21 gigawatts. Great Scott!

Marty McFly: What-what the hell is a gigawatt?”

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Und noch immer bin ich traurig wenn Doc “erschossen” wird und zu Boden geht, als die Libyer an der TwinPines Mall auftauchen um den Plutoniumdieb zu stellen. Die Scene, als Marty über ihm kniet und seinen Freund betrauert. Und das Glücksgefühl, als  Emmet die Augen öffnet und seine schusssichere Weste zu Tage fördert. Er zieht einen alten, vergilbten Brief aus der Tasche während ihn Marty überrascht ansieht. “Wie war das von wegen nichts über die eigene Zukunft erfahren und so?” “Ich dachte mir….pfeiff drauf!” Dies gehört mit zu den schönsten Twists der Filmgeschichte schlechthin.

Neben all diesen schönen Momenten die der Film inzeniert, neben den grossen Gefühlen, sind es letztlich auch die philosophischen Fragen, die der Film aufwirft und die Phantasie, die er anregt. Was würden wir tun, könnten wir unsere Zukunft ändern. Wenn wir in unsere eigene Vergangenheit reisen könnten um unseren Verlauf der Geschichte zu verändern. Ich habe darüber schon nachgedacht. Und heute glaube ich, dass auch der Film darauf schon immer eine Antwort gegeben hat. Vielen von uns scheinen schon Dinge passiert zu sein, von denen wir wünschen sie Rückgängig machen zu können. Letztlich jedoch kann man niemals wissen, welch anderen Verlauf unser Leben genommen hätte, wären wir einen anderen Weg gegangen.

Zuletzt nicht unerwähnt bleiben sollte selbstverständlich der Score von Alan Silvestri, der sicher mit zum einprägsamsten melodischen Begleiter schlechthin geworden ist. Wenn die ersten Takte des Filimthemas erklingen, weiss jeder, ob Filmnerd oder nicht, zu welchem Film sie gehören. Eine grossartige Leistung verglichen zur heutigen Zeit, die kaum noch erinnerungswürdige Scores liefert. Einer Zeit, da jeder Score nach einer mehr oder minder schlechten Hans Zimmer Kopie klingt. Setzt Euch mal abends ins Wohnzimmer in einer stürmischen, von Blitzen durchzuckten Nacht, macht das Licht aus, und schaltet den Score an. Schliesst die Augen und ihr werdet “Doc”, nachdem er mit seiner Frau Clara und seinen beiden Kindern Jules und Verne zurück in die Gegenwart reist sagen hören:

“It means your future hasn’t been written yet. No one’s has. Your future is whatever you make it. So make it a good one, both of you.”

Ich hoffe Ihr nutzt diesen kurzen Rückblick auf eine, meiner Meinung nach, denkwürdigsten und liebenswürdigsten Filme der letzten Generationen und schaut sie Euch mal wieder an.

Verabschieden möchte ich mich mit “Doc’s” Worten an Marty in seinem Brief, nachdem der Deloren vom Blitz getroffen wurde und ihn ins Jahr 1885 schickt:

“And so Marty, I now say farewell and wish you Godspeed. You’ve been a good, kind, and loyal friend to me, and you’ve made a real difference in my life. I will always treasure our relationship and think on you with fond memories, warm feelings, and a special place in my heart.

Your friend in time,

“Doc” Emmett L. Brown.”

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 In jedem von uns steckt ein klein wenig von Marty und Doc. Unsere Zukunft ist noch nicht geschrieben. Also lasst uns das Beste daraus machen!

In diesem Sinne…

 

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1 thought on “Die Zukunft ist nicht geschrieben…ein persönlicher Blick “Zurück in die Zukunft””

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