Ich widme den nachfolgenden Post einem kranken Freund und seiner Krankenschwester, die Heute nicht mit auf den Weihnachtsmarkt kommen können …

Warum lesen wir Bücher? Wohl mag es hierfür die verschiedensten Gründe geben. Viele von uns sicher just darum, um in entfernte Welten einzutauchen, wagemutigen Helden bei ihrem Kampf gegen das Böse beizustehen und um Abenteuer zu erleben, von denen wir in unserer heutigen, “erwachsenen”, aufgeklärten Welt nur zu Träumen vermögen…dann gibts natürlich noch unsere geschätzten Shades of Gray Leser, aber dies ist eine andere Geschichte… ;)

Aus ähnlichen Gründen schauen wir uns Filme an. Und auch wenn viele Werke hier ihren zellulose-losen Urvätern in der erzählerischen Tiefe meist nicht ganz das Wasser zu reichen imstande sind, so vermögen es doch einige wenige große Meisterwerke der Leinwand ihre literarischen Vorlagen zu übertreffen. Ein Film hat gegenüber dem Buch den großen Vorteil, dass er mit bild gewaltigen Panoramen, fremden Landschaften, erhabenen Bergen , majestätischer Natur und nicht zuletzt mit einem epochalem Soundtrack den Zuschauer fesseln und diesen in eine ganz bestimmte Stimmung versetzen kann, die das Erzählte  erst richtig zur Geltung bringt. Gerade letzteres, der Score, trägt maßgeblich dazu bei.

Etwa, wenn Gandalf mit der Elbenfuerstin Galladriel im ersten Hobbit Abenteuer, in der eindrucksvoll erhabenen Elbenstadt Rivendell, bei Mondschein am Aussichtspunkt über der Stadt stehen und Sie Ihn fragt (und hier setzen die meisterhaften Noten ein, die diesem Moment und dem Gesagten etwas Besonderes verleihen):

Galadriel: Mithrandir! Wieso der Halbling?

Gandalf: Ich weiß es nicht. Saruman ist der Meinung, dass nur große Macht das Böse fernhalten kann. Doch ich habe anderes erfahren. Es sind die kleinen Taten aus Güte und Liebe. .. Warum Bilbo Beutlin? Vielleicht weil ich mich fürchte und er mir Mut verleiht.

Der Glaube an das Gute im Menschen, an die wahren Werte die alles überdauern, selbst im Angesicht der Dunkelheit, werden hier untermalt in einem Dialog und durch Klänge, ohne diese man diesen Gedanken,  niemals derart erfahren, niemals derart erfühlen  würde.

Womit wir beim Hobbit wären. Der erste Teil vermochte noch, was auch die Ring Trilogie Peter Jackson’s nachhaltig in Erinnerung bleiben lies. Er transportiert eine Geschichte auf die Leinwand. Auch wenn überaus frei interpretiert, so erschafft er einen gewissen Zauber, die den Zuschauer fesselt.

Der zweite Hobbit setzt dort an, wo der Erste aufhört. Die Gefolgschaft von Zwergen, Gandalf und Bilbo machen sich auf den Weg nach Erebor, dem einsamen Berg, um diesen vor dem bösen Drachen Smaug zu befreien und um Thorin Eichenschild sein Erbe zurück zu bringen, auf dass das siebente Zwergenreich in seinem alten Glanze zurück kehre… Wer das Buch kennt, weiß, womit sich unsere Helden werden herumschlagen müssen.
Und auch wenn bei diesem Film, mehr als bei allen anderen Tolkien Verfilmung Peter Jackson’s, sehr viele Szenen hinzugedichtet wurden, so sind es nicht die zusätzlichen Inhalte, die dem Film nach dem Abspann einen bitteren Nachgeschmack verleihen.  Es ist diese Austauschbarkeit und Redundanz in den Action Szenen, die die visuell sehr beeindruckenden Kameraeinstellungen nachhaltig trüben. Der finale Kampf gegen den Drachen Smaug etwa ist derart in die Länge gezogen, dass sich jeder normale Zuschauer fragen muss, warum der Drache noch eine weitere Runde in der großen Schatzkammer unter dem Berg drehen musste, nur um noch von zehn weiteren Pirouetten unterstützt zu werden, bevor er endlich den Berg verlasst um auf die Stadt am See zu zu steuern…und den Film mit Vorschau auf das Kommende ausklingen lässt…

Die übertriebenen, überladenden Action Einlagen in vielen modernen Filmen scheinen einem Mainstream Wunsch nach immer opulenteren, nie enden wollenden gigantischen Schlachten Rechnung tragen zu wollen. Wie etwa im letzten Superman Spross Man of Steel, in dem sich der blauen Superheld gefühlte 1.5 Stunden mit seinem Erzfeind Zod in wilden Flugmanövern prügelt, bevor das Ganze endlich sein verdientes Ende findet. Eine fünf minütige Endkampf-Sequenz wie in den guten alten Achtzigern hätte es hier sicher auch getan und hätte den Film sicher eine Millionen Euro günstiger gemacht – und besser. Ich erinnere mich noch an die alten Zeiten, wo Karate Kid Daniel Larusso (das Original, nicht dieser seltsame Kung-Fu Boy aus der Neuzeit) seine Filmzeit drauf hin verwendet, um zu trainieren, sich zu verlieben, lernt, die Lektionen des Lebens zu meistern und sich ganz am Ende seinem Gegner und seiner Angst zu stellen. Fünft Minuten reichen hier aus, um die ganze Story in ihrer Tiefe ab zu schliessen. Nicht der finale Kampf gegen seine Nemesis war Inhalt des Filmes, sondern der Weg dorthin.

Moderne Filme scheinen alles auf den finalen Kampf reduzieren zu wollen, ohne besondere Beachtung auf den Weg zu legen. Schade, denn so gehen viele verpasste Chancen einfach dahin…

Aber um noch ein letztes Mal auf den Hobbit zurück zu kommen:

Summa Summarum vermag man den zweiten Teil der Hobbit Trilogie auch wie Folgt zusammen zu fassen. Hier möchte ich mich des Zitates eines überaus geschätzten Freundes bedienen, der, wie ich nur überaus trefflich zustimmen kann, den zweiten Hobbit wie folgt zusammen fasst: WTF?

Eine mir nicht bekannte Filmkritikern, die uns bei unserer Heimfahrt auf dem Bahngleis in einigen Metern Abstand Gesellschaft leistete (zu meinem Glück, wie sich herausstellte), erbrach sich in einem Schwall Erbrochenem visuell überaus eindrücklich und stimmte somit unseren Meinungen nach diesem Kinogang eindeutig zu.

 

In diesem Sinne…

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