Im Einklang

Am Tag

Mal wieder schlendere ich an einem gemütlichen Sommertag umher, von denen es nicht allzu viele gab in diesem Jahr. Ich wandere auf diesem Weg, der mir so vertraut zu sein scheint als sei es mein zweites Zuhause. Ich genieße so gerne die Stille hier draußen. Diese mich verstehende Einsamkeit um  mich herum. Ich bin in Gedanken, nur bei mir. Im Einklang meiner Sinne, meinem Denken, meiner Selbst.

Hier auf diesem Weg, an diesem Tag, bin ich Ich . Die Sonnenstrahlen wärmen mein Gesicht während ich einen Fuss vor den anderen setze.Ohne Hast. Ohne Ziel. Ohne Grund.  Es ist dieses sanfte Gefühl von Wärme und Licht, wenn ich meine Augen schließe und den sanften Schein hinter meinen Liedern spüre, das mich voran treibt. Weder ist es zu warm, noch zu kalt. Und hin und wieder erfreut mich eine Prise frischen Windes, der mein Gesicht erfrischt. Auch die Klänge der Natur, wie die Orchestermusik der Vögel und das Rascheln im Laub, das Klopfen des Spechtes, trägt er in meine Ohren. Er geleitet die Gerüche von Walderdbeeren und Flieder in meine Nase und ich denke mir dann stets, dass es keinen besseren Moment geben kann, als eben diesen, um am Leben zu sein – im Hier und Jetzt. Einfach nur lebendig und im Reinen mit dem was mich gerade umgibt. Die Gedanken frei von Ballast und allem was nicht Wichtig ist. Fernab von Allem das ablenkt.

Ich habe keine Ahnung wie weit ich bereits gegangen bin. Oder wann ich los lief. Ich kann noch nicht einmal sagen welches Jahr wir haben oder wie ich hier her gekommen bin. Aber Zeit hat nur Relevanz in einer Welt fernab von hier. Dort, wo die Anderen leben. Hier macht sie keinen Sinn, hat sie keine  Berechtigung zu existieren.

Ich wandere immer weiter denn ich will nicht umkehren. Es gibt nichts, keinen Ort,  keine Zeit, wohin ich statt dessen gehen könnte. Ich weiß nicht, woher ich kam, doch ich bin mir sicher, dass dort wo ich war, nichts auf mich wartet. Mit Ausnahme der geselligen Einsamkeit Aller, die mich nicht verstehen.

Jene, die die Sonnenstrahlen nicht würdigen wenn sie die Augen schließen. Jene, für die ein Tag eingeteilt ist in 24 Stunden. All die, die den Lebewesen um mich herum keine Beachtung schenken. Die die Poesie des Lebens nicht erkennen die uns umgibt. Die mich nicht kennen. Doch so sehr ich wünschte, ich könnte einfach immer weiter gehen, ohne zurück zu sehen, so sehr ich wünschte dieser Wege habe kein Ende, so sehr fürchte ich, dass mir dies nicht möglich sein wird.

Bei Nacht

Vielleicht laufe ich auch vor etwas davon. Tun wir das nicht alle, wenn wir ehrlich sind? Ich frage mich nur, ob jemals jemand diesen Lauf gewonnen hat? Doch letztlich, holen sie uns doch alle ein, nicht wahr? Die Zweifel und alle jene Gedanken, die sich mit der Nacht zu uns gesellen. Und mit ihr die Erkenntnis, das alles Helle auch eine Dunkle Seite hat. Eine Antwort, die man bei Tageslicht noch für richtig hielt, mag bei Dunkelheit gar zu oft eine andere Facette der ‚Wahrheit‘ zeigen.

Und ich fürchte, ob wir nun unsere Augen zukneifen, oder wir unseren Verstand davor verschließen wollen, macht keinen Unterschied. Wir können sie nicht ignorieren. Ich habe keine Angst vor der Dunkelheit. Aber des Nachts, hat alles eine andere Wertigkeit, eine andere Qualität. Unsere Gedanken tragen andere Farben als tagsüber. Was bei Tageslicht noch klar erschien, wird nachts getrübt und in eine diffuse Wolke aus Ängsten und Sorgen getaucht, die erdrückender zu sein scheinen, je später die Stunde des Tages voran schreitet.

Es ist gar nicht so sehr die Dunkelheit an sich, sondern schlicht die Abwesenheit der Sommerlichen Leichtigkeit und dem Gefühl, zu glauben man habe Kontrolle über die eignen Gedanken. Nachts, ändern sich Gefühle. Es ist beängstigend. Als läge man in einem Bett, umhüllt von Dunkelheit, und die Decke, die noch so weit entfernt schien, käme immer näher und näher. Als wollte sie auf uns fallen. Langsam. Uns für immer begraben. Der Brustkorb hat kein Platz zu atmen. Wir glauben wir würden ersticken. Man möchte davon laufen, oder auf eine Erhebung klettern von der man aus die Welt von oben betrachten kann. Raus aus dem engen Korsett, diesem bösartigen kleinen Raum der uns einschränkt. Von dort oben ist alles klein. Neutral, mit weitem Blick alles übersehen. Frei sein. Von Problemen. Sorgen, Ängsten und dem Kummer dieser Welt. Alles abstreifen und den fernen Blick als unseren Vertrauten Willkommen heißen. Doch es existiert kein Ort wie dieser, der über allem schwebt. Kein Berg hoch genug, als dass unser Herz die Freiheit fände die es sucht.

Wir zwingen uns unterdessen, die Augen zu schließen. Denn Schlafen ist die einzige Möglichkeit dem zu entkommen, Nach jeder Nacht folgt der Tag. Und wir können nur immer wieder hoffen, dass, bevor die Dunkelheit nach unserer Seele greift, in dem Versuch sie zu zerquetschen, wir bereits schlafen. Zu träumen. Nach dem Sinn, der uns glücklich macht. Dem Ziel das uns antreibt. Die Liebe, die uns versteht.

Dennoch laufe ich weiter, in der Hoffnung, das mir die Sonne folgt und die Nacht fern hält. Ich bin mit mir im Einklang.

[UnKNowN]

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