Eine Ode an den Brückentag

Brückentage – Die stillen Helden

Heute möchte ich über Jene sprechen, an die keiner bei der Nominierung des Philanthropen Preises denkt, weil katzenrettende Feuerwehrleute, Politiker, die mit Steuergeldern grosse Silikonbrüste für Bankdirektoren bzw deren Frauen kaufen, Krebsforscher die so tun als würde Sie forschen, aber im Klammheimlichen lieber im Solarium  abhängen und PETA Tierschützer, die Fotografen verklagen,  anstatt Japanische Walfänger mit Harpunen zu harpunieren.

Brückentage sind die wahren Helden des Jahres. Denn sie sind jene Tage, an denen die ganzen Zurückgebliebenen (in dem Fall Zuhause gebliebenen) – sie werden es erraten –  zu Hause bleiben. Brückentage geben uns eine ganz kleine Einsicht in eine alternative Realität, in der es kein verdummendes Privatfernsehen mehr gibt, Star Wars blos das Hirngespinst eines alten Penners wäre, der unter einer Brücke Blowjobs für 20 Cent verkauft. Eine Welt, in der die  Amtssprache der Weltregierung Klingonisch  oder Fortran wäre und deren Oberhaupt ich sei. Warum ich ganz oben stehen würde? Nun, weil diese Realität eine gerechtere Realität wäre. Ich hätte ein offenes Ohr für die Unterschicht beispielsweise. Ich würde sogar einmal im Monat S-Bahn fahren, um undercover heraus zu finden wie der kleine Mann so denkt. Was seine Sorgen sind, und welche Ängste ihn umtreiben – von Zugverspätungen mal abgesehen, denn jeder weiss das diese einfach nicht in den griff zu kriegen sind, solange unsere Züge nicht von Robotern gefahren werden sondern von haarigen Affen mit Schirmmütze.

Sie werden merken: Ich mag Brückentage wirklich sehr. Denn an ihnen macht arbeiten noch so richtig Spaß. Ganz recht.  Ich arbeite. Ich nehme mir nicht frei.

Sich an Brückentagen frei zu  nehmen, ist in etwa genauso Sinnfrei wie

  • Heinz Ketchup zum nächsten McDonalds Besuch mit zu nehmen
  • Seine Freundin mit nach Thailand zu nehmen
  • Eine Augenklappe mit auf einen Piratenkongress zu bringen (die gibts da meist kostenlos als Give-Away)
  • Eine dicke Frau auf eine Schokoladenmesse zu schleifen
  • Tierschützer auf die Technologiemesse für  Hühnerschredder…äh ich meine zum Tierzuchtkongress Zuffenhausen Ost mit zu bringen
  • Einen Tripper auf eine Swinger Party bringen
  • Einen Pädophilen mit auf ein Jahrestreffen der Onlinefahndung des BKA
  • Oder, oder oder…

Das Geile an solchen Tagen ist doch eben die Tatsache,  dass man sich NICHT  freinehmen muss sondern sich darauf verlassen kann, dass sich die ganzen anderen Vollidioten frei nehmen, die einem sonst im Alltag die Luft wegatmen.

In der Arbeit sind dann meist so wenige Leute unterwegs (Haben Sie den Gag verstanden?), dass man es mal wieder so richtig entspannt angehen lassen kann. Endlich mal wieder am Schreibtisch sitzen und die Hose aufmachen und die Schuhe ausziehen (nicht das ich das nicht sowieso tun würde). Sich mal wieder entspannt zurück lehnen und den scheiß Fussel aus dem Bauchnabel puhlen. Wo verdammt noch eins kommt der immer her?

Was Sie an Brückentagen tun können

Gehen Sie an Brückentage in die Arbeit und tun sie jene Dinge , für die sonst keine Zeit bleibt. Den Schreibtisch aufräumen zum Beispiel. Wenn ich meinen Schreibtisch beschreiben müsste, träfe die Analogie einer Frauenhandtasche das Ding wohl am Akkuratesten. Mehrere Schichten Scheiße elegant gestapelt. Ein empfindliches Gleichgewicht aus Kaffeetassen, Tellern, Ordnern, Din-A4 Blättern und Post-It’s die sich vom Monitor gelöst haben und nun überall herum liegen. Von oben nach unten wird alles granularer, („Kleiner“, für diejenigen die das hier lesen und zuhause sind, sie verstehen schon) , bis man am Boden des Müllberges (der Tischplatte) Kaugummis, Kondome, die Pille, einen Monats-Kalender,…ach verdammt jetzt war ich woanders..den Tacker, das Döschen Büroklammern und den vermissten gelben Test Marker wieder findet.

Oder gehen sie durch die Büros der Kollegen, suchen Sie nach un-gesperrten, nicht herunter gefahrenen PCs. Nutzen Sie deren eingeloggten Facebook Account um endlich deren lange ausstehendes  Coming-Out raus zu hauen. Ziehen Sie einfach mal einige Stromkabel dem Monitor, nur um nach Rückkehr der Kollegen verzückt die Reaktionen zu beobachten.

„Verdammte Scheiße vor dem Feiertag war alles gut und nun geht dieser Drecks PC wieder nicht. Alles schwarz!!! Das gibts doch nicht. Und wieso grinsen mich alle so an verdammt noch mal an – hab ich irgendwas im Gesicht oder was?“

Alternativ Tipp (falls der PC wirklich aus ist): Einfach mal in Abwesenheit Habanero Pulver ganz, ganz fein auf Tastatur und Maus des Brückentags-Kollegen streuen. Nach dessen Rückkehr sind einige Lacher garantiert. Insbesondere auf der Toilette. Rotglühende Pullermänner sind immer ein Garant für einen Lacher.

Aber Brückentage sind auch perfekte Tage, um einfach mal wieder mit den netten Kollegen zu schnaggeln und soziale, zwischenmenschliche Kontakte zu pflegen. Immerhin kann man dann ungeniert über die Abwesenden lästern. An jenen Tagen sind, nach einem Kaffee, einem Mandel und einem Nusshörnchen mit Glasur selbst jene meist gut drauf, die sonst den ganzen Tag mit mieser Laune auf dem Klo sitzen und auf Kosten des Arbeitgebers Scheiße produzieren. Wobei viele hier gar nicht erst aufs Klo rennen müssten. Ja, selbst meine Wenigkeit ist Heute gut drauf denn ich habe heute Morgen ein T-Shirt gegriffen, das beim ersten Versuch direkt gepasst hat.

Auch auf der Autobahn fehlen die ganzen wollüstige inzestuösen Evolutionsopfer*, die an normalen Tagen die Strassen mit ihrer Dummheit verstopfen. Die bleiben an jenen Tagen zuhause, um ihre Briefmarkensammlung zu sortieren oder sich ihren Hausigel hinten einzuführen – nur so zum Spass.

In diesem Sinne: Ich wünsche Ihnen werter Leser einen Schönen Brückentag!

Ich muss Schluss machen – Hab hier noch zwölf Tastaturen mit Habanero Pulver einzureiben…

 

  • * Falls Sie mehr über das Thema Evolution erfahren wollen, kann ich hier einen weiteren Fachartikel aus meiner Feder empfehlen, der sich des Themas im Detail annimmt:

    Wo ist Darwin wenn man ihn braucht?